Firmware - QTS 5.0: Eine Firmware-Odyssee 2021

00 Titel.pngIn meinem Artikel Firmware - QTS 5.0 Public Beta: Erste Eindrücke habe ich schon über die neue Firmware QTS 5.0 berichtet. Da bei mir aktuell ein QNAP TS-473A auf dem Tisch steht konnte ich noch ein paar weitere Dinge ausprobieren. Dies möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.



1. Der neue Kernel


In meinem ersten Artikel habe ich berichtet, dass meine Testumgebung bestehend aus einem TS-328 leider nicht vom neuen Kernel profitiert und weiterhin mit dem alten Kernel 4.2.8 arbeiten muss. Beim TS-473A sieht es nun anders aus. Hier bekommt man den neuen Kernel in der Version 5.10, wie von QNAP angekündet.



Was der neue Kernel jetzt im Vergleich zum alten genau bringt konnte ich jetzt nicht wirklich heraus spüren. Mit zusätzlichen Geräten und längerem Arbeiten mag man hier jedoch schon etwas merken, beim schnellen Ausprobieren jedoch nicht.



2. Die Installation unter QTS 5.0


Bei der Inbetriebnahme des TS-473A habe ich 2 Festplatten die von meinem Test mit der TS-253D noch übrig geblieben sind einfach in das NAS geschoben. Weder gelöscht noch weiß ich ob dies die Platten von der Erweiterungseinheit, vom NAS oder beides waren. Auf jeden Fall ist das NAS ohne Murren gestartet und war betriebsbereit, ohne Initialisierung. Die Firmware Version der Festplatten und des NAS hatten wohl keine Probleme miteinander. Testdaten waren wieder da. Eigentlich schon genial. Versuch mal so etwas mit einem anderen System. OK, wenn die Hardware nicht zu unterschiedlich ist … vielleicht. Hat jetzt aber nichts mit QTS 5.0 zu tun, das kann QTS schon länger. Ist aber immer noch toll.

Wie dem auch sein, danach habe ich das Update auf QTS 5.0 durchgeführt. Aber irgendwie hat mir das Szenario dann nicht wirklich gepasst. Ich wollte ein jungfräuliches System testen (Darf man das noch so schreiben? Aber „jung-/männ-/fräu-/diversliches“ klingt irgendwie… Ist auch etwas sperrig - political Correctness hin oder her). Also zurück auf Anfang und neu initialisiert. Dadurch kam ich – und somit auch Ihr – in den Genuss die neue Initialisierung von QTS 5.0 zu sehen. Auch hier wurde Feintuning betrieben. Klein aber fein. Aber seht selbst. Bilder sagen ja oft mehr als Worte.




3. NVMe SSD-Cache Beschleunigung


Im ersten Teil konnte ich mit dem TS-328 die neue NVMe SSD-Cache Beschleunigung nicht ausprobieren, da das TS-328 keine M.2 SSD Einbaumöglichkeiten bietet. Beim TS-473A gibt es die. Also kurzerhand die M.2 SSDs aus meinem Syno-NAS entfernt und im TS-473A eingebaut. Sorry Syno-NAS. :)


Kurze Randnotiz:

Egal ob QNAP- oder Syno-NAS, vor dem Ausbau von Cache-Festplatten diese unbedingt vom System abmelden. Ansonsten heißt es Daten ade. Beim Abmelden werden die Daten vom Cache auf die Datenfestplatten geschrieben und die Cache-Festplatten können anschließend gefahrlos entfernt werden.



3.1. SSD Profiling-Tool


Zuerst empfiehlt QNAP mit dem SSD Profiling-Tool die optimale Over-Provisioning Einstellung zu ermitteln. Das ist jetzt nicht neu in QTS 5.0. Das gibt es schon in QTS 4.5.x und habe ich auch schon im Blog-Artikel Testbericht - TS-253D mit QM2-2P10GTA1 Erweiterungskarte Teil 5: M.2 SSD Turbo für den Datenspeicher getestet. Nichtsdestotrotz habe ich die selben M.2 SSD noch einmal testen lassen. Am SSD Profiling-Tool hat sich jedoch nicht all zu viel geändert.



Die prognostizierten 12 Stunden hat der Test dann nicht gedauert, aber 5 Stunden war das SSD Profiling-Tool und das NAS beschäftigt. Und so sieht dann das Testergebnis aus:


17 SSD-Profiling.png



3.2. Das Einrichten


Auch das Einrichten des SSD-Cache hat sich zur Vorversion nicht großartig verändert. Dies geschieht weiterhin im Menü / Tool „Speicher & Snapshots“ im Untermenü „Cache-Beschleunigung“.



Eine Meldung die man tunlichst nicht überlesen sollte:


25 SSD-Cache.png


Nun verrichtet die Cache-Beschleunigung ihren Dienst.


26 SSD-Cache-lesen.png


Aber wie sich dies jetzt zur Vorgängerversion unterscheidet? Vermutlich wurde hier am Algorithmus geschraubt um die Performance zu verbessern. Jetzt wären wohl ausgiebige Tests und Performance-Werte angesagt. Aber leider macht wie immer meine nicht QNAP-Hardware da einfach nicht mit. Hier reichen schon die normalen HDDs aus. Man mag mir nachsehen, dass ich zum QNAP-NAS und QTS ausprobieren und testen nicht meine Infrastruktur austausche. Für meine Zwecke reicht die auf jeden Fall aus. Wie die Werte dann bei mir in etwa aussehen könnten, könnt Ihr hier entnehmen:

Testbericht - TS-253D mit TL-D400S Erweiterungsgehäuse und QM2-2P10GTA1 Erweiterungskarte Teil 7: Das Finale

Die werden vermutlich auch mit QTS 5.0 nicht besser werden, da es – wie gesagt - an anderer Stelle fehlt.


Im nächsten Kapitel habe ich die Virtualization Station getestet. Hier hat der SSD-Cache schon eine ziemlich gute Figur gemacht. Das Ganze hat sich schon mehr nach SSD denn nach HDD angefühlt. Natürlich nicht ganz so schnell wie wenn die virtuellen Maschinen ausschließlich auf SSDs laufen würden, aber dennoch recht performant. Wäre da nicht das Klacken der HDDs, könnte man stellenweise vergessen, dass hier der Hauptteil immer noch auf den HDDs liegt.



4. Virtualization Station


Die Virtualization Station (VS) ist unter QTS 5.0 nicht neu und in der Version 3.5.57 (Stand 07.09.2021) die selbe Version die es für QTS 4.5.3 / 4.5.4 auch gibt. Aber dennoch wollte ich wissen wie sie sich so unter QTS 5.0 macht. Dies soll aber nur ein kurzes Antesten sein.


Zum Ausprobieren habe ich mal eben Windows 10 und Windows 11 Beta installiert. Die Virtualization Station wird wie bisher aus dem QNAP App Store installiert.



4.1 Windows 11


Windows 11 Beta als virtuelle Maschine unter QTS 5.0 Beta? Man würde meinen das kann nur daneben gehen. Weit gefehlt. Das schwierigste am Ganzen war das Installations-ISO für Windows 11 zu bekommen. Denn dies bekommt man nur als Windows-Insider. Also mal eben angemeldet.


Zuerst eine neue virtuelle Maschine erstellt. Windows 11 gibt es hier noch nicht zur Auswahl. Aber mit Windows 10 als Grundeinstellung funktioniert es auch. RAM und Festplattengröße nach den Möglichkeiten des NAS anpassen. ISO als Laufwerk einbinden und los geht es. Dank AMD Ryzen CPU, 24 GB RAM und M.2 SSD RAID1 als Cache im TS-473A geht die Installation überraschend schnell. Ist die Installation durchgelaufen sollte man nach dem ersten Start die Guest-Tools installieren.

Habe dann mit verschieden Einstellungen der VS herumgespielt. Alle Einstellungen funktionieren nicht, denn bei einigen wollte die VM nicht mehr starten.


Zu Beginn kommt man nur mit VNC auf den Guest, also Windows 11. Mit VNC funktioniert es ganz gut, aber nicht so flüssig wie man sich das wünschen würde. Also empfiehlt sich RDP – Microsoft Remote Desktop Protocol - zu verwenden. Dies ist unter Windows 11 – genauso wie unter Windows 10 – zuerst zu aktivieren. Anschließen kann man mit einem RDP-Client – unter Windows normalerweise schon standardmäßig installiert – auf den Guest – die virtuelle Windows-Maschine – zugreifen. Da ich auf Ubuntu arbeite ist standardmäßig kein RDP-Client installiert. Auch wenn RDP von Microsoft stammt, gibt es auch für Linux RDP-Clients. Ich habe „Remmina“ im Einsatz. Gibt sicher auch noch andere. Damit ergibt sich schon ziemlich ein richtiges Desktop-Feeling. Gefühlt ist „Remmina“ nicht ganz so schnell wie das Microsoft-Pendant, aber nur minimal.



4.2 Windows 10


Beim Windows 10 wollte ich den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhen. Eine neue Installation ist relativ einfach. Aber wie sieht es mit dem Import einer bestehenden virtuellen Maschine aus?


Also habe ich eine bestehende virtuelle Maschine von meinem Ubuntu aus Virtualbox exportiert. Dafür nimmt man das *.ova Format (Open Virtualization Format). Wichtig ist hier die Version 1 zu verwenden. Mit Version 2 hat bei mir der Import unter VS nicht funktioniert.

Der Import benötigt seine Zeit. Beim ersten Versuch war ich an irgend einer Stelle wohl etwas zu ungeduldig und habe das Ganze geschrottet. Äh ja, kann passieren. Beim 2. Versuch – mit etwas mehr Geduld – hat es dann astrein funktioniert.


Da die exportierte / importierte virtuelle Maschine schon etwas länger nicht mehr in Betrieb war, hat Windows erst mal eine Weile Updates installiert. Schon wieder war Geduld gefragt. Eine Neuinstallation wäre wahrscheinlich schneller gewesen, aber darum ging es mir ja nicht.

Nach den vielen Updates und dem obligatorischen Neustart sind dann wieder die Guest-Tools gefragt. Da dies eine importiere VM ist, sind zuerst die alten Guest-Tools von Virutalbox zu deinstallieren.



4.3 Performance und Stabilität


Beide Windows-System laufen schnell und zuverlässig. Da es sich hier um Testsysteme handelt ist dies aber recht schwierig zu beurteilen. Dafür müsste hier wie bei einem normalen Desktop-PC mit allen Programmen gearbeitet werden.


27 Virtualstation.png



5. Diverse Dinge


Hier noch ein paar lose Dinge, welche mir beim Ausprobieren aufgefallen sind.


Standardmäßig ist der Root-Benutzer „admin“ deaktiviert. Ich weiß nicht, ob dies schon bei einer Neuinstallation der Vorgänger-Version der Fall war oder nicht. Bei QTS 4.5.2 meinte ich auf jeden Fall noch nicht.


Bei einer Neuinstallation werden nur noch wenige Apps installiert. Ich würde mal sagen das Minimum. Finde ich sehr sympathisch. Dazu installieren kann man immer noch.


Dann hat mich noch interessiert, ob sich bei QTS 5.0 etwas beim Systemstart bzw. Herunterfahren getan hat. Anmelden kann ich mich nach ca. 3:50. Da ist da NAS aber noch nicht komplett gestartet. Nach 5:10 kommt dann der Ready-Piepser. Nach 6:13 sind dann auch alle Apps gestartet. In meinem Fall die Standard-Apps plus 1-2 Apps wie der Malware Remover und QuFirewall. Heruntergefahren ist das NAS nach 1:45.

Ziehe ich die Werte vom Test des TS-253 mit QTS 4.5.2.1566 heran sind die Werte sogar noch etwas schlechter geworden. Da dauerte ein Start ca. 4,5 Minuten und das Herunterfahren um die 1,5 Minuten.

OK, als Schnellstarter waren QNAP-NAS noch nie bekannt. Auch hier bleibt sich QNAP treu. :) Für ein Gerät, welches eigentlich 24/7 in Betrieb ist auch nicht wirklich notwendig.



6. Versionen


6.1 Public Beta - Version 5.0.0.1716 build 20210701


Stand 07.09.2021:

Bis jetzt habe ich mit der QTS Version 5.0.0.1716 20210701 - Beta Public mit Releasedatum vom 02.07.2021 gearbeiteten, da es weder eine 2. Public Beta, einen Release Candidate, noch einen finalen Release gibt. Nimmt man eben was es gibt.



6.2 Release Candidate - Version 5.0.0.1785 build 20210908


Stand 25.09.2021:

Am 13. September 2021 ist dann die Version 5.0.0.1785 build 20210908 als Release Candidate erschienen. Alle Tests, Screenshots und Texte sind bis jetzt mit der Public Beta entstanden. Man mag mir nachsehen, dass ich jetzt nicht alles wiederholt habe. Nach einem kurzen Durchblick über alle – OK, die meisten wichtigen Funktionen – sind mir auf die Schnelle jetzt keine gravierenden Unterschiede aufgefallen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Changelog auf den QNAP-Homepage. Hier gibt es noch eine lange Liste von „Known Issues“ – also bekannten Problemen. Ich rechne also mit weiteren Release Candidates.


Stand 04.10.2021:

Da es für die TS-328 bis jetzt noch keinen finalen Release gibt, habe ich mir noch den RC (Release Candidate) darauf angesehen. Einen etwas neueren Kernel scheint es hier zu geben – mit Datum 08.09.2021 – aber immer noch kein Kernel der Version 5.10.


Code
  1. [~]
  2. # uname -a
  3. Linux 4.2.8 #1 SMP Wed Sep 8 00:57:41 CST 2021 aarch64 GNU/Linux


Es ist wohl nicht damit zu rechnen, dass es hier einen 5.10-er Kernel geben wird.



6.3 Finale offizielle Version (Final Release) - Version QTS 5.0.0.1808 Build 20211001


Stand 04.10.2021:

Nun scheint es endlich soweit zu sein: QTS 5.0 ist Final und hoch offiziell. Das Release-Datum wird mit 01.10.2021 angegeben. Eigenartig, ich könnte schwören, dass ich gestern – also am 03.10.2021 die QNAP-Homepage auf neue Downloads überprüft habe. Ob da wohl wer zurückdatiert hat. ;)

Mit meiner Prognose, dass es weitere RCs geben wird lag ich wohl falsch. Die Liste der bekannten Probleme im Changelog ist immer noch recht lang. Aber nach einem ersten Blick darauf entstehen wohl die meisten Probleme im Zusammenspiel mit Drittherstellern. Zwar ärgerlich für diejenigen die es trifft, ist aber nicht ganz unüblich bei einer neuen Version.


Für die TS-473A habe ich die finale Version auch gleich mal installiert. Einen etwas neueren Kernel hat es gegeben mit dem Datum von 01.10.2021.


Code
  1. [~]# uname -a
  2. Linux 5.10.60-qnap #1 SMP Fri Oct 1 09:12:47 CST 2021 x86_64 GNU/Linux


Für die TS-328 heißt es im Moment noch warten. Es scheint noch einige Modelle zu geben, die noch auf die finale Version warten müssen.


Im Thema QTS 5.0.0.1808 Build 20211001 (Final?) wird schon fleißig diskutiert. Und einige ganz mutige haben die neue Version schon auf ihren produktiven Systemen installiert. Auf meinen Produktivsystemen wird es noch eine Weile dauern, bis ich sie auf QTS 5 anheben werden. Sind aber auch nur Datenspeicher für Backups. Da kommt es nicht so darauf an.



7. Fazit


Auch mit dem x86-QTS des TS-473A mit neuem Kernel läuft das neue QTS 5.0 stabil und zuverlässig. Sowohl die Public Beta, der Release Candidate als auch die finale Version machen bis jetzt einen guten Eindruck.


Größter Kritikpunkt bis jetzt, welcher im Forum auch schon ausgiebig diskutiert wurde, sind die etwas zu groß geraten Icons des Desktops der WebGUI. Ich konnte auch weiterhin keine Funktion finden diese zu verkleinern. Aber sollte dies weiterhin die größte Schwachstelle bleiben … ;)


FSC830 hat in seinem Artikel QTS 5.0 ebenfalls über seine Erfahrungen mit der neuen QTS Version 5.0 berichtet.


Stand 04.10.2021:

Auch tiermutter war fleißig und hat gleich ein Artikel in 3 Teilen heraus gehauen.

[Part 1] QTS 5.0: Von der Beta bis zur Final

[Part 2] QTS 5.0: Von der Beta bis zur Final

[Part 3] QTS 5.0: Von der Beta bis zur Final



8. Postskriptum


Ich wurde gebeten diesen Teil gleichzeitig mit dem offiziellen Release von QTS 5.0 zu veröffentlichen. Klar doch, kein Problem. Beim ersten Teil war ich etwas zu schnell, der war schon raus.


Stand 26.09.2021:

Ursprünglich wurde mir mal mitgeteilt, dass der offizielle Release so Ende August – Anfang September sein soll. Aber wie es im Moment aussieht zieht sich das Ganze noch etwas. Weil ich vor Wochen mit diesem Artikel begonnen habe und diesen auch schon vor Wochen veröffentlicht hätte, und weil immer zusätzliche Informationen hinzukommen, hab ich begonnen den Textpassagen Datumsstände hinzuzufügen, damit man einigermaßen versteht wie der Text hier gewachsen ist. Permanent alles umschreiben ist auch nicht so toll. Aber man sieht wie schnell sich in der IT alles weiterentwickelt und ändert.


Fühle mich im Moment wie Steven King, als er „The Dark Tower“ geschrieben hat. Das hat knapp 20 Jahre gedauert. :)


Stand 04.10.2021:

Die Odyssee hat nun doch noch ein Ende gefunden. War mehr Aufwand und hat vor allem viel länger gedauert als geplant, obwohl ein kurzer Artikel – OK, für meine Verhältnisse. :)