Firmware - Wechsel auf eine neuere Version und dessen Konsequenzen

Neuer ist besser!″ So zumindest lautet oft die weit verbreitete Meinung. Beinhalten gerade bei Software neue Version doch schöne neue Features / Funktionen, eine verbesserte der Zeit gemäße Optik / Design, eine verbesserte Benutzbarkeit und nicht zu vergessen die verbesserte Sicherheit und Stabilität. (Stabilität :D Ich weiß, der war gut. :evil: ) Also jede Menge Spaß und Zusatznutzen für den Benutzer und oft völlig kostenlos. Wer wird da nicht sofort zugreifen wollen.


Bei einem QNAP NAS ist bei ″neuer Version″ natürlich die QTS-Firmware, bzw. Apps aus dem App-Center gemeint. In diesem Artikel möchte ich den Wechsel auf eine neuere QTS-Firmware etwas genauer betrachten und stelle mir dabei die Frage: ″Ist neuer denn in jedem Fall immer besser?″

Schließlich kennen dies die Meisten, dass nach dem Wechsel auf eine neuere Version – also einem Upgrade und nicht nur einem Update – das NAS sich oft nicht mehr so ″spritzig″ anfühlt. Man kann es zwar nicht beweisen, denn eigentlich läuft alles ganz normal, aber das Bauchgefühl sagt etwas anderes. Klar, wer hat denn Vorher-Werte zum Vergleichen mit nachher. Man ahnt es schon: Ich. :) Dank dem Umstand, dass ich 3 baugleiche TS-231+ an einem Q‘Center betreibe wurden alle Werte schön säuberlich dokumentiert und man kann den Wert ″Zufall″ somit auch ausschließen.


Eigentlich wollte ich diesen Blog-Artikel schon vor Monaten geschrieben haben. Deshalb beziehen sich die folgenden Werte auf das Update von QTS 4.2.5 auf QTS 4.3.5 bzw. QTS 4.3.6 der 3 TS-231+. Auch wenn seit geraumer Zeit QTS 4.4.1 aktuell ist, möchte ich Euch dennoch diese Wert nicht vorenthalten. Ich gehe davon aus, dass die Werte analog auf QTS 4.4.1 und andere NAS Modelle übertragbar sind.



1. Die Kandidaten


Kurz zum besseren Verständnis die involvierten NAS:


Bezeichnung

Model

Technische Spezifikation

Funktion

1. TS-231+

TS-231+

ARM-CPU, RAID1, 1 GB RAM

Offsite-Backup (An einem anderen Standort)

2. TS-231+

TS-231+

ARM-CPU, RAID1, 1 GB RAM

Onsite-Backup (Am gleichen Standort)

3. TS-231+

TS-231+

ARM-CPU, RAID1, 1 GB RAM

Haupt-Server mit Domain-Controller, File-Sharing, etc.



2. Die Werte


Am Besten rede ich nicht lange um den heißen Brei herum und präsentiere erst mal die Fakten.



2.1 CPU-Auslastung


Beim ersten Diagramm / Bild sieht man die CPU-Auslastung vom 1. und 2. TS-231+, die beide als reine Backup-Ziele dienen. Hier läuft außer dem für das Backup und dem Betrieb notwendige, sowie natürlich dem Q‘Agent, nichts. Der Q‘Agent genehmigt sich im Schnitt, bei diesen kleinen CPUs, so an die 5%. So ergibt sich eine Grundlast unter QTS 4.2.5 im Schnitt von ca. 10%. Die Spitzen entstehen in der Nacht, wenn Backups, Anti-Viren-Update, Malware-Remover etc. ihre Jobs abarbeiten.



Nach dem Update von QTS 4.2.5 build 20170413 auf 4.3.5.0760 der 1. TS-231+ sieht man, dass die CPU-Grundlast sprunghaft von ca. 10% auf annähernd 30% ansteigt. Und dies, obwohl immer noch die selben Dienste laufen und die selben Apps installiert sind. Nach dem Update von QTS 4.3.5.076 auf 4.3.6.0895 des 1. TS-231+ steigt die CPU-Grundlast nochmals um ein paar Prozentpunkt auf über 30% an. Zum Vergleich sieht man das 2. TS-231+, welches weiterhin seinen Dienst mit QTS 4.2.5 mit einer Grundlast von ca. 10% bestreitet.


Hier nochmals das Update von 4.2.5 auf 4.3.5 des 1. TS-231+ etwas detailliert mit einem kleineren Zeitmaßstab:



Das selbe Spiel mit dem 2. TS-231+, auch wieder ein reines Backup-NAS. Im folgenden Diagramm / Bild sieht man, dass die 1. TS-231+ ihre Grundlast von ca. 30% auch weiterhin behalten hat, trotz aller Versuche der Optimierung, Fehlersuche und mehrerer Neustarts. Nach dem Update der 2. TS-231+ auf QTS 4.3.5.0760 ist auch hier die Grundlast auf knapp unter 30% angestiegen.



Auch hier nochmals die Werte im detaillierten Zeitmaßstab:



Das Überprüfen aller Einstellungen und Logs hat nichts gebracht. Da noch das Update des 3. TS-231+ anstand und dieses der ″Haupt-Server″ in diesem Verbund war, mir die Sache aber nicht wirklich geheuer war, habe ich mich mit dem QNAP-Support in Verbindung gesetzt. Mit den übermittelten Logs, Daten und einer Remote-Sitzung kam dieser dann zu dem Resultat: ″Alles in Ordnung, ist so normal.″


Also das Update auch auf dem 3. TS-231+ installiert.



Na bei diesen Werten muss ich auch erst mal Schlucken: Von 10% auf annähernd 50% Grundlast. Das ist mal eine Hausnummer. Allerdings stellte sich später heraus, dass die extrem hohe Grundlast durch einen Konfigurationsfehler zustande kam. Ob dieser Fehler schon immer war und erst durch die neue Version zum Tragen kam oder es ein Migrationsfehler der Einstellungen war, kann ich im Nachhinein nicht mehr 100% zuordnen, gehe aber von ersterem aus. Danach war die Last wie bei den anderen beiden TS-231+ bei um die 30% - sieht man noch ganz am Ende des Diagramms.



2.2 Arbeitsspeicher-Verbrauch


Der erhöhte Arbeitsspeicher-Verbrauch ist etwas schwieriger nachzuweisen, da dieser recht Sprunghaft ist. Man sieht beim nächsten Diagramm / Bild dennoch recht eindeutig, dass sich dieser im Schnitt so um 5% bis 10% erhöht hat - 1. TS-231+ mit QTS 4.3.5.0760 und 2. TS-231+ weiterhin mit QTS 4.2.5:



Was mir mehr zu denken gegeben hat ist folgende Meldung, die ich nach dem Update beim Anpassen des Domain-Controllers erhalten habe, der auf dem 3. TS-231+ aka ″Haupt-Server-NAS″ läuft, erhalten habe:



Nirgends ein Kommentar, weder im Changelog noch beim Update selbst, dass mit der neuen QTS-Version 4.3.x die Speicheranforderungen bzgl. Domain-Controller gestiegen sind. Der Domain-Controller läuft seit Beginn auf diesem NAS. OK, läuft jetzt auch mit nur einem 1GB RAM – jedoch eher mäßig. Eine TS-231+ kann man leider nicht aufrüsten. In anbetracht dessen, dass man auf einer TS-231+ nach einem Upgrade auf QTS 4.3.x nicht mehr auf QTS 4.2.x downgraden kann eine ziemlich wichtige Information, wie ich finde.



2.3 Festplatten-Speicher-Verbrauch


Ganz interessant finde ich den Festplatten-Speicher-Verbrauch vor und direkt nach dem Update. Leider sieht man dies aus den Diagramm nicht so wirklich gut, da die Erhöhung im Vergleich zum Gesamt-Speicherplatz dann doch zu gering ist.




Deshalb habe ich die Werte herausgeschrieben und gebe sie in Zahlen an:


NAS

Vor dem Update

Nach dem Update

Vor dem Update

Nach dem Update

1. TS-231+

53.58 GB

69.62 GB

1.94 %

2.54 %

2. TS-231+

181.30 GB

197.00 GB

6.58 %

7.15 %


Es werden 16 GB mehr Platz auf der Festplatte benötigt (also eigentlich gleich 2x weil RAID1) nur durch das Update von QTS 4.2.5 auf 4.3.5. Die zu installierende Image-Datei von QTS 4.3.5 ist kaum größer als von QTS 4.2.5, also knapp 200 MB. Zum Vergleich: Ein fertig installiertes Ubuntu 18.04 LTS mit allen Programmen, vom Photobearbeitungs-Programm, über Grafik-Programme, bis zum Office und allen Zusatztools, benötigt bei mir um die 20 GB Festplattenspeicher. Würde mich interessieren, was es mit diesen 16 GB auf sich hat. Eine Kopie des alten Systems? Und selbst dann reichlich groß. Vielleicht hat ja jemand von Euch noch eine Information dazu.

Auf jeden Fall sollte man wohl besser kein neues QTS installieren, wenn der Festplatten-Platz so langsam knapp wird. ;)



2.4 Netzwerk-Durchsatz


Leider habe ich vor dem Update keine Durchsatz-Tests gemacht. :( Somit habe ich hier leider keine konkreten Zahlen zu bieten. Aber auf dem 3. TS-231+ aka ″Haupt-NAS″ ist der Durschatz per SMB unterirdisch geworden. Vor dem Update hatte ich so Werte um die 90 MB/s. Nach dem Update sind es nur noch knapp ein Drittel, um die 35 MB/s.

Interessanterweise ist das Backup mittels RTRR auf die anderen beiden TS-231+ nicht so stark betroffen. OK, das 1. TS-231+ ist ein Remote- / Offsite-Backup an einen anderen Standort. Hier ist die Internet-Verbindung der limitierende Faktor. Aber das Vorort-Backup schafft noch Werte um die 55 MB/s, wenn denn mal genügend Daten für ein größeres inkrementelles Backup erstellt oder geändert wurden. :)



3. Und was lernen wir daraus?


Ist das Alte etwa immer besser?″ oder ″Der Mavalok2 ist ein Update-Muffel und will uns die neuen Versionen schlecht machen!″ :)

Nein, überhaupt nicht. Aber es gibt 2 Gründe wieso ich über dieses Thema schreibe.


1. Es ist im Forum immer wieder mal zu lesen, dass sich Benutzer von älteren Modellen beklagen, dass es für Ihre Modelle keine neuen QTS-Versionen mehr von QNAP gibt. Gehen wir mal davon aus, dass bei jedem kleineren und größeren Versions-Sprung ein wenig von der ursprünglichen Performance verloren geht, dann kann man sich ja selbst ausrechnen ab welcher Version ein Modell nicht mehr wirklich zu gebrauchen wäre. Und dass die Performance-Einbusen nicht nur ein gefühlter Mythos ist, konnte ich ja gut mit Fakten belegen. Irgendwann zieht dann QNAP wohl die Reißleine. Das mag wohl nicht für jedes Modell zutreffen, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt rentiert es für QNAP auch nicht mehr eine Modell-Reihe weiterzuentwickeln, wenn alle kleineren Modelle der Reihe nicht mehr mithalten können.


2. Auch wenn für ein älteres Modell von QNAP eine neue QTS-Version zur Verfügung steht, sollte man sich gut überlegen, ob man dieses überhaupt noch einspielen will. Bei einem NAS, welches schon auf dem letzten Zacken läuft – performancetechnische, sollte man sich gut überlegen, ob man das nächste Firmware Upgrade überhaupt noch durchführen will, oder ob die Gefahr nicht bestehen könnte, das NAS für den bestimmten Einsatzzweck unbrauchbar zu machen. Gerade auf den Hinblick, dass nach manchen Upgrades ein Downgrade nicht mehr so ohne weiteres möglich ist.

Wäre im meinem Fall von den 3 TS-231+ beim Sprung von QTS 4.3.6 auf 4.4.1 wieder der selbe Performance-Verlust zu erwarten, dann muss ich davon ausgehen, dass zumindest das 3. TS-231+ - mit der Aufgabe des ″Haupt-NAS″ - seine Aufgabe nicht mehr zufriedenstellen oder sogar gar nicht mehr erfüllen kann.



4. Fazit


Neue Software mit neuen Funktionen etc. braucht einfach zusätzliche Leistung. Deshalb ist es wichtig abzuwägen, ab welchem Zeitpunkt ein Upgrade – ein Wechsel zu einer neueren Version – keinen wirklichen Sinn mehr macht. Natürlich besteht dann die Problematik mit den fehlenden Sicherheitsupdates. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hat ein NAS dann nichts mehr im Internet verloren, schon gar nicht offen. Aber wer mich kennt weiß was ich von offenen NAS im Internet halte – nämlich rein gar nüchts.

Kommentare 2

  • War bei meinem TS-212 genau so: War schon vom 1. Tag an eine Krücke, aber mit QTS3 lief's zumindest halbwegs. QTS4 inkl. einiger Versionsupdates hier und es ging wirklich absolut gar nichts mehr. SMB bei weniger als der Hälfte, QTS zäh bis ganz unresponsiv. Vmtl. war hier der wirklich armselig kleine, fest verlötete, Hauptspeicher der Hauptgrund. Naja, aus solchen Gründen ist so ein Beitrag wirklich wichtig, wie ich finde. Und: NAS <> RAM sollte immer großzügig gedacht werden. Darum wurde mein 2 Produktiv-NAS (212 war von Anfang an nur für Auslagerung/Backup gedacht) dann auch gleich ein TS-670 samt Umbau auf i7 & 16 GB RAM. Da hatte ich bzgl. Performance bisher keinerlei Probleme, doch hatte ich anfangs immer volle 112 MB/s via SMB anliegen und heute freue ich mich, wenn da mal ne 90 steht... wer weiß, ob's am (aktuellen) Win10 und/oder am aktuellen QTS 4.3.6 liegt...?

  • Sehr geiler Beitrag, ordentlich verglichen und aussagekräftig!


    Ob Qnap vielleicht OS Updates splitten kann wie andere Hersteller?

    CVE Updates und Fixes, getrennt zu Funktionsupdates? (Updates/Upgrades)

    Wäre wohl sinnvoll wenn man das Fazit hier liest, aber eher unwahrscheinlich, da QNAP wohl bei den kleinen NAS die SOHO Gemeinde adressiert, mit den typischen"KlickiBuntiMultimedia Gimmicks".


    Was mich ärgert ist der Zwang von Funktionalität zum Beispiel die Multimediakonsole, klar kann man die ausschalten, ist aber Funktionsballast im OS.