Dienstprogramme – QNAP Diagnostic Tool: Dem NAS auf den Zahn fühlen

00 Titel.pngDie wenigsten kennen wohl das QNAP Diagnostic Tool. Und diejenigen die es kennen, haben es wohl zum Erstellen eines Dump-Files für den QNAP Support benutzt. Und das war es dann vermutlich schon. Aber mit dem QNAP Diagnostic Tool kann man sehr viele Informationen aus dem NAS herausholen. Gerade diejenigen von Euch, die es mit der Konsole und deren Befehle nicht so haben, können hier viele Informationen, die die Helfenden für die Lösung des Problems oft benötigen, auch ohne Konsole ermitteln. Dieses Hilfsprogramm ist auf jeden Fall einen Blick wert. Deshalb möchte ich es Euch in diesem Artikel etwas näherbringen und vorstellen.


Grundsätzlich ist das QNAP Diagnostic Tool (QDT) ein Diagnosetool – welch Überraschung, dafür muss man wohl nicht mal Englisch können. :) Damit lassen sich Tests durchführen, sowie Logs / Protokolle und Konfigurationen abspeichern.



1. Die Installation


Das QNAP Diagnostic Tool (QDT) lässt sich aus dem App Center heraus installieren oder von der QNAP-Homepage herunterladen. Das aktuelle QDT in der Version 1.1.3 gibt es für alle QNAP Modelle ab QTS 4.3.x. Für QTS 4.2.x Versionen gibt es die ältere Version 1.1.2 und für QTS 4.1.x noch die Version 1.1.1 zum Herunterladen.

QDT selbst belegt im aktiven wie im inaktiven Zustand mit ein paar MB Arbeitsspeicher nur sehr wenig Ressourcen. Es kann also problemlos auf allen Modellen installiert und ausgeführt werden. Wer auch das wenige an Ressourcen wieder frei haben will, kann dies durch deaktivieren im App Center machen, ohne dass QDT deinstalliert werden muss. Somit ist QDT immer zur Hand.



2. Die Funktionen


Beim ersten Start weist QDT darauf hin, dass man wohl wissen sollte, wie die Daten zu deuten sind. Dies stimmt durchaus, denn die vielen Informationen sind nicht immer und eindeutig zu interpretieren.


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Hier ein kurzer Überblick über die Funktionen:


2.1 Dump-Protokoll

2.2 Kernel-Protokoll-Analysator

2.3 Dateisystemanalysator

2.4 Festplattenanalysator:

...... 2.4.1 SMART-Wert auslesen

...... 2.4.2 Leistung testen

...... 2.4.3 Standby testen

...... 2.4.4 RAID-Informationen auslesen

...... 2.4.5 Superblock auslesen

2.5 HDD Stress Test

2.6 Arbeitsspeichertest

2.7 SSD-Cache Diagnose



2.1 Dump-Protokoll


Die meisten, die mit diesem Programm schon mal zu tun hatten, werden wohl diese Funktion verwendet haben.


02.png


Auf <Dumpen> klicken, kurz warten, mit <Herunterladen> die Datei als ZIP-File herunterladen und an den Support schicken. Fertig. Aber habt Ihr Euch schon mal die Mühe gemacht und das ZIP-File entpackt? Darin verbergen sich sehr viele interessante Informationen, die man mit einem normalen Browser oder auch Editor lesen kann. Je nach Browser werden für die LOG-Dateien noch ein Editor, Notepad oder Textprogramm benötigt. Bei mir beinhaltet die entpackte ZIP-Datei 137 Elemente, aber uns interessiert eigentlich nur auf der ersten Ebene die HTML-Datei mit dem selben Namen wie die ZIP-Datei, nämlich die Seriennummer des NAS.


16.png


Diese Datei mit einem Doppelklick im Browser öffnen. Nun gelangt man in das „Inhaltsverzeichnis“, welches in etwa so aussehen sollte:


Turbo NAS Log Compilation 20190330-23:11:15

Date: 20190330-23:11:15

Serial Number: Q********

NAS IP: 192.168.***.***

MAC: **:**:**:**:**

Model: TS-328

Firmware: 4.3.6_20190316

Execute Test: N/A

Test Status: N/A

Test Description: N/A

Error Log Count: 58

Segfault: 0

MD9 FS Error: 0

MD0 Status: active

Kernel: Linux version 4.2.8

CPU: Realtek RTD1296 Quad-Core ARM Cortex-A53 Processor @ 1.4GHz


[ KERNEL LOG ]

[ EVENT LOG ]

[ CONNECTION LOG ]

[ STORAGE V2 ]

[ DEVICE MAPPER ]

[ FILESYSTEM INFO ]

[ QCLI_STORAGE INFO ]

[ VOLUME INFO ]

[ PROCESS INFO ]

[ RAID SUPERBLOCK INFO ]

[ MD CHECKER ]

[ IFCONFIG ]

[ ROUTING TABLE ]

[ MODULE/IRQ INFO ]

[ MEMORY INFO ]

[ BLOCK DEVICE PARTITION ]

[ MD STATUS ]

[ CONFIGURATION - uLinux.conf ]

[ CONFIGURATION - smb.conf ]

[ CONFIGURATION - volume.conf ]

[ CONFIGURATION - ssdcache.conf ]

[ CONFIGURATION - qdm.conf ]

[ CONFIGURATION - qlvm.conf ]

[ CONFIGURATION - raid.conf ]

[ CONFIGURATION - enclosure_X.conf ]

[ CONFIGURATION - lvm_conf ]

[ CONFIGURATION - ha_conf ]

[ CONFIGURATION - qsnapshot_conf ]

[ CONFIGURATION - qsnapsync_conf ]

[ CONFIGURATION - iscsi_conf ]

[ CONFIGURATION - HDA_ROOT/.conf ]

[ CONFIGURATION - qpkg.conf ]

[ crontab ]

[ DEVICE MAP ]

[ PCI DEVICE ]

[ USB DEVICE ]

[ SSD CACHE ]

[ STORAGE LOG ]

[ HAL LOG ]

[ iSCSI LOG ]

[ SDMD LOG ]

[ FORCE_KILL_IN_SHUTDOWN LOG ]

[ LOG - .qid.log ]

[ LOG - .porter.log ]

[ LOG - .player.log ]

[ LOG - /var/log/network ]

[ MEMORY DAEMON LOG ]


Klickt man auf die einzelnen Menü-Punkte erhält man die dazugehörigen Informationen. Dies kann eine Konfigurationsinformation oder auch ein Protokoll / Log sein. Wie man sieht, kann man hier z.B. die Informationen zur Crontab als auch die zum Superblock auslesen, ohne die Konsole bemühen zu müssen. Hier z.B. ein Teil der Volume Informationen:



Netter weise wird hier auch noch darauf verwiesen mit welchem Konsolenbefehl die Daten abgerufen wurden – im obigen Fall der Befehl df – oder wo die Daten abgespeichert sind.



Auch wenn die Daten selbst analysiert und ausgewertet werden müssen, lassen sich so dem NAS auf sehr einfach weise sehr viele Informationen entlocken.

2.2 Kernel-Protokoll-Analysator


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Hier werden Fehler aus dem Kernel-Protokoll aufgelistet. Im meinem Fall wurden keine Fehler gefunden. Mit herunterladen kann die gesamt Liste gespeichert werden. In meinem Fall relativ kurz:


Code
  1. No error found

:)



2.3 Dateisystemanalysator


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Hier wird das Dateisystem überprüft. Hier ein Auszug des heruntergeladen Reports:




2.4 Festplattenanalysator


Beim Festplattenanalysator gibt es 5 Tests / Analysen die man auswählen und durchführen kann.


05.png



2.4.1 SMART-Wert auslesen


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Die SMART-Werte kann man zwar auch im Speichermanager abrufen und nachsehen, aber in Textform zum Einstellen im Forum ist dies bequemer. Hier ein Auszug der ersten Festplatte:




2.4.2 Leistung testen


07.png


Hier kann man die Performance der einzelne Festplatten prüfen. Da dies ein Leistungstest ist, macht es durchaus Sinn, wenn das NAS und die Festplatten nicht durch andere Aufgaben ausgelastet sind. Ansonsten ergibt das Resultat keinen Sinn oder verfälscht sich. Um wirklich aussagekräftige Resultate zu erhalten sollte man den Test mehrfach durchlaufen lassen. Oft hängt eine Festplatte hinterher, weil gerade ein andere Dienst darauf zugreift.

Der heruntergeladene Report:


Code
  1. Name: Disk 1
  2. Path: /dev/sdb
  3. Performance: 141.97 MB/sec
  4. Name: Disk 2
  5. Path: /dev/sdc
  6. Performance: 152.79 MB/sec
  7. Name: Disk 3
  8. Path: /dev/sda
  9. Performance: 131.46 MB/sec



2.4.3 Standby testen


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Hier soll geprüft werden können, ob der Standbybetrieb der Festplatten funktioniert. Bei mir war der Test nach 10 Minuten immer noch nicht sicher was und ob und überhaupt. Also habe ich ihn abgebrochen. Aber vielleicht seit Ihr ja ein weniger geduldiger als ich. :) Ich weiß, dass bei mir die Festplatten eher selten schlafen.

Auszug aus dem heruntergeladenen Report:




2.4.4 RAID-Informationen auslesen


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Wie schon in Dump-Protokoll können hier die RAID-Informationen ausgelesen werden. Bei RAID-Problemen oft gefragt.




2.4.5 Superblock auslesen


10.png


Wie schon in Dump-Protokoll können hier die Information zum Superblock ausgelesen werden. Bei RAID-Problemen oft gefragt.


Auszug aus dem heruntergeladen Report einer Festplatte:




2.5 Festplattenstresstest


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Bei diesem Test wird die komplette(n) Festplatte(n) überprüft. Da hier auch die Blöcke / Oberfläche überprüft wird kann dieser Test – ja nach Größe der Festplatte – sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Bei sehr großen Festplatten kann dies schon mal Tage dauern. Da dies die Festplatte(n) ziemlich stressen kann, vor allem wenn Ihr ohnehin einen Defekt vermutet, empfiehlt es sich davor das Backup zu aktualisieren für den Fall, dass sich eine Festplatte entschließen sollte nicht mehr arbeiten zu wollen.



2.6 Arbeitsspeichertest


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Hier lässt sich der Arbeitsspeicher überprüfen. Unter <Zeit> kann man die Dauer der Überprüfung einstellen. Was <WM (Arbeiter)> bringen soll ist mir nicht zu hundert Prozent klar. Ich interpretiere dies mal als gleichzeitige Zugriffe.

Ich denke, dass die Überprüfung ohnehin nur oberflächlich durchgeführt werden kann, denn wie soll bei laufendem Betrieb der gesamte Arbeitsspeicher überprüft werden können. Normalerweise wird Speicher, der in einem verbauten Gerät getestet werden soll mit einem speziellen Tool getestet, welches vom eigenen minimalen Betriebssystem gebootet wird. Alternativ gibt es auch Prüftools im BIOS / UEFI, je nach Hersteller. Gründliche Speichertests laufen dann mehrere Stunden / Tage.



2.6 SSD-Cache Diagnose


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Wie der Name schon sagt wird hier der SSD-Cache analysiert. Da ich in meinen QNAP-NAS weder SSDs noch Cache im Einsatz habe, konnte ich dies nicht testen. Vielleicht kann hier ja jemand ein paar Worte dazu schreiben.



3. Einstellen / Posten von Daten ins Forum / Internet


Nun sollte eigentlich klar sein, wie man zu den notwendigen Informationen des NAS kommt. Wie schon geschrieben, können diese Informationen hilfreich beim Beheben von Problemen sein und sind auch für die Helfer hier im Forum wertvoll. Allerdings sollte man beim Einstellen / Posten dieser Information ins Internet auf ein paar Kleinigkeiten achten:

  • Man sollte z.B. im öffentlichen Teil des Forums nicht einfach das ganze Dump-File deponieren. Dies macht man besser gezielt per privater Nachricht.

  • Die einzelnen Logs und Konfigurationen können eindeutig zuordenbare Informationen und Nummern enthalten wie z.B. die Seriennummer, MAC-Adressen, IPs und andere einzigartige ID / UID (Unique Identifier) / UUID (Universally Unique Identifier) etc. In meinen Beispielen habe ich diese immer mit * ersetzt, wie z.B.:


    Code
    1. NAS : Q*********
    2. Device UUID : ********:********:********:********
    3. Array UUID : ********:********:********:********
    4. Serial Number : Q********
    5. NAS IP : 192.168.***.***
    6. MAC : **:**:**:**:**


Ich empfehle Euch dies vor dem Posten im öffentlichen Bereich ebenfalls zu tun.


Ich höre schon: „Und dem Support einfach so schicken, mit all diesen eindeutig zuordenbaren Informationen?“

Kurz: „Ja“. Ohne Seriennummer geht bei den meisten Herstellern im Support schon mal gar nichts. Um Name und meistens Anschrift, E-Mail und Telefonnummer kommst Du auch nicht herum, wenn man Dir helfen soll. Viel eindeutig zuordenbarer können Information wohl nicht mehr sein. Da ist der Rest zu vernachlässigen. ;)



4. Fazit


Oje, das ist jetzt ein etwas längerer Artikel geworden als geplant. Aber ich hoffe er ist immer noch zum Lesen übersichtlich genug.


Für problemgeplagte QNAP Benutzer ist dieses Tool allemal einen Blick wert, ist schnell installiert und benötigt kaum Ressourcen.

Kommentare 6

  • Offenbar hat Qnap das Tool komplett entfernt! Es lässt sich auch nicht mehr herunterladen.

    • Scheint so, im Moment zumindest. Das hatte wir vor kurzem bei einem anderen App auch. Kurz darauf ist dann eine neue Version erschienen. Möglicherweise braucht der Store ein wenig Zeit für die Aktualisierung oder es gab noch eine Änderung in letzter Sekunde. Einfach mal abwarten. Kann mir nicht vorstellen, dass QNAP dieses Tool nicht mehr anbieten will.

    • Ich habe jetzt irgendwo gelesen, dass das Tool im Helpdesk aufgehen soll. Die HDD Tests kann man mittlerweile über den Helpdesk machen, den Rest leider (noch) nicht.

    • Das hat Helpdesk immer schon gekonnt (oder zumindest schon länger), denn das Festplattenprüfprogramm ist sehr wahrscheinlich bei beiden Programmen einfach der Befehl hdparm aus dem Betriebssystem.

      Mal abwarten.

  • Wahnsinn !!!


    Vielen lieben Dank für die Mühe - mir zumindest war vieles Neu und ich konnte einiges lernen :)


    DANKE DAFÜR !!!