Starthilfe: aller Anfang - Teil 3: Die Datensicherung

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  • In diesem Artikel geht es nicht um eine technische Anleitung, sondern um konzeptionelle und strategische Überlegungen wie das Projekt "QNAP" umgesetzt werden kann - eine Starthilfe zu den richtigen Ansatzpunkten. Ohne wälzen von einschlägiger Fachliteratur wird es auch hier nicht gehen - je nach Projekt und Wissenstand.
    Grundsätzlich gibt es hier kein Richtig oder Falsch, sondern was ist für mein Projekt die optimale Herangehensweise und Lösung. Eine Entscheidung die letzten Endes jeder für sich selbst fällen muss.

    Nachdem wir uns im 2. Teil (Starthilfe: aller Anfang - Teil 2: Das Einrichten der Festplatten) Gedanken über das Einrichten der Festplatte gemacht haben stehen nun Überlegungen zur Datensicherung an.
    Viele unterschätzen dieses Thema und vernachlässigen die Sicherung. Viel zu spät kommt dann die Erkenntnis, dass eine vernünftige Backup-Strategie durchaus seine Berechtigung hat. Jeder, der schon einmal einen mehr oder weniger großen Vorfall mit Datenverlust hatte, weiß eine gute Sicherung zu schätzen.


    1. Mythen oder die falschen Ansätze

    Immer wieder kommt es vor, dass sich Benutzer in falscher Sicherheit wiegen, in der Annahme, dass die Daten sicher sind. Deshalb gleich zu Beginn was nicht funktioniert oder was keine Datensicherung ist.

    Ich brauche keine Sicherung.
    Das bedeutet aber auch, dass die Daten im Ernstfall dann unwiederbringlich verloren sein können. Nur schon das Wiederherstellen der Daten bei einem Festplattendefekt durch ein Speziallabor kann richtig ins Geld gehen. Dazu gibt es keine Garantie, dass die auch alle und die benötigten Daten wiederherstellen können.

    Ich habe ein RAID. Ich brauche deshalb keine Sicherung. Das ist meine Sicherung.
    Der Klassiker schlecht hin. Ich weiß nicht wie viele Male ich diesen Satz schon geschrieben oder gelesen habe: „RAID ist keine Sicherung“ oder „RAID ersetzt keine Sicherung“.
    Ein RAID dient der Ausfallsicherheit. Fällt eine Festplatte aus, kann dennoch weitergearbeitet werden und die Daten bleiben erhalten. Dies ist jedoch noch keine Sicherung. Wird eine Datei/Daten versehentlich gelöscht oder beschädigt, verabschiedet sich die QNAP aus irgend einem Grund – von Hardwaredefekt, Blitzschlag bis Wasserschaden kann alles dabei sein – sind die Daten einfach weg. Da kann auch das RAID nichts daran ändern. Wird eine Datei versehentlich gelöscht, beschädigt oder korrumpiert, wird dies sofort auf alle Festplatten übertragen. Ein zurückholen der Daten ist so nicht möglich. Bei einem Backup steht eine (mindestens eine, besser mehrere, aber dazu später) zusätzliche Kopie der Datei/Daten auf einem anderen Medium zur Verfügung, die im Fall der Fälle die fehlende oder zerstörte Datei ersetzen kann. Bei einem wichtigen Dokument auf Papier hilft es auch wenig eine Kopie auf die Rückseite von selbigem zu machen.

    Ich mache meine Sicherung auf die 2. Festplatte in meinem NAS.
    Auch dies ich keine Sicherung. Sollte dies eine Echtzeitsicherung ohne Versionierung sein, bringt dies noch weniger. Aber auch eine zeitlich gesteuerte oder manuelle Sicherung auf eine 2. Festplatte in der QNAP ist nicht ausreichend. Bei einem kompletten Schaden der QNAP und/oder der Festplatten z.B. durch Überspannung, Blitzschlag, Wasserschaden etc. oder - der wohl eher wahrscheinlichere und häufiger auftretende Fall – Fehlbenutzung des Users hilft eine solche „Sicherung“ rein gar nichts.
    Diese Art von „Sicherung“ kann als kurzzeitige Zwischenspeicherung verwendet werden, so wie es mancher Windows Benutzer von der Funktion „Vorherige Version...“ kennt, ersetzt aber in keiner Weise eine richtige Backup-Strategie.

    Ich mache meine Sicherung auf meine uralte Festplatte, PC, NAS etc.
    Grundsätzlich ein guter Gedanke. Ist die Hardware aber so alt und verrottet, dass im Fall der Fälle damit zu rechnen ist, dass das Backup nicht mehr funktioniert, kann man sich das Backup auch gleich sparen. Ein Backup sollte nie was mit „Glücksspiel“ zu tun haben.


    2. Die Grundlagen

    Eine vernünftige Strategie zur Daten-Sicherung kann das Leben mit der QNAP um einiges erleichtern. Um diese vernünftig ausarbeiten zu können sollte man sich folgende Fragen stellen:

    Wie viel Daten müssen gespeichert werden?
    Die Datenmenge ist ein entscheidender Faktor sowohl bei der Wahl des Speichermediums als auch bei der Strategie. Sind es ein paar Office-Dokumente die gelegentlich gespeichert werden müssen – hier könnte schon ein USB-Stick ausreichen – oder sind ganze Datenbestände oder Filmesammlungen von mehreren TB zu sichern – hier wird schon ein größeres Kaliber gefordert sein.
    Eine günstige Lösung ist eine externe USB-Festplatte. Die gibt es in unterschiedlichen Größen. Ist mehr Platz gefordert kann es ein Bandlaufwerk oder ein anderes NAS sein. Je nach Datenschutzfaktoren ist auch ein Backup in die Cloud möglich.

    Wie wichtig sind die Daten?
    Je nach Wichtigkeit sollten die Daten unterschiedlich gesichert werden. Sind es Downloads aus dem Internet, die jederzeit wieder heruntergeladen werden können, sind es die Bilder von der Hochzeit oder sind es geschäftskritische Daten, deren Verlust den Ruin der Firma bedeuten würde.
    Je wichtiger die Daten desto häufiger sollten sich gesichert werden und auf unterschiedliche Medien gespeichert werden.
    Sind die Datenberge groß und die Möglichkeiten zum Sichern begrenzt, müssen die Daten differenziert werden: Wichtige unwiederbringliche Daten (Unterlagen, Kinderphotos, Hochzeitphotos – zumindest für diejenigen, die nicht vorhaben mehrfach zu Heiraten :D ) mehrfach auf verschiedenen Medien sichern und an verschiedenen Orten aufbewahren, nicht so wichtige Daten einfach sichern, vernachlässigbare wiederbringliche Daten – wenn es nicht anders geht – eben nicht sichern. Immer noch besser als gar nichts sichern.

    Wie oft soll gesichert werden?
    So oft wie möglich. :D
    Nein im Ernst, das hängt von der Wichtigkeit der Daten und den Möglichkeiten und Gegebenheiten ab. Jedes Jahr ein Mal ist sicher zu wenig, für den Privaten jede halbe Stunde aber eher übertrieben. Im Grunde muss man sich fragen, wie viel bin ich bereit von meiner Arbeit oder Daten im schlimmsten Fall zu verlieren, 1 Stunde, 1 Tag, 1 Woche.
    Das hängt natürlich auch sehr stark davon ab um wie viele Daten es sich handelt und um welche. Sind Daten dabei, die so gut wie nicht wieder erstellbar sind, oder um Dinge die wieder aus dem Internet geladen werden können.
    Da die Backup-Programme von QNAP inkrementell arbeiten – d.h. es werden nur die Änderungen seit der letzten Sicherung gespeichert – kann je nach geänderten Datenmenge auch ein kurzes Intervall genommen werden. Bei kurzen Intervallen sollte aber unbedingt mit Versionierung (mehrere Sicherungsstände) gearbeitet werden, ansonsten kann dies auch nach hinten los gehen.
    Beispiel: Ihr arbeitet mit einem 1 Stunden Intervall ohne Versionierung und nur einer Sicherung. Nach 2 Stunden Arbeit bemerkt Ihr, dass Ihr versehentlich die Datei „zerarbeitet“ habt – es ist nicht das herausgekommen was Ihr wolltet und die Datei ist so nicht mehr zu gebrauchen. So habt Ihr nur den Stand vor 1 Stunde, die Ihr aber auch nicht mehr gebrauchen könnt. Sprich nur möglichst kleine Intervalle ist auch nicht die perfekte Lösung.
    Unterm Strich ist das auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung, denn jeder Speicherstand, ob Versionierung oder ein volles Backup auf einem anderen Medium kostet Speicherplatz und der wiederum richtiges Geld.

    Was soll alles gesichert werden?
    Natürlich die Daten. Aber wer sich das Leben einfacher machen will, der Speicher auch die Systemeinstellungen der QNAP, sowie die Einstellungen aller Apps und falls vorhanden des ActiveDirectory und Domain-Controllers gleich mit.
    Des weiteren würde ich die Installationsdatei der installierten QTS-Firmware sowie aller wichtigen installierter Apps gleich mit auf die Sicherung packen. Die lassen sich von der QNAP-Homepage herunterladen. Bei einem Totalausfall lässt sich so die QNAP viel einfacher und schneller wieder aufbauen, als dass man alle Element wieder einzeln Zusammensuchen und die QNAP wieder von vorne einrichten muss. Auch wenn auf einen vorherigen Apps-Stand oder die Einstellungen Probleme machen ist es von Vorteil hiervon eine Sicherung zu haben.

    Wer soll die Sicherung machen?
    Natürlich der PC oder die QNAP, am Besten vollautomatisch zu einer bestimmten Zeit. Nur was nützt dies, wenn zu dieser bestimmten Zeit der PC/QNAP nicht läuft? Die beste Strategie und die beste Hard- und Software nutzt nichts, wenn die Sicherung schlussendlich nicht durchgeführt wird.
    Auch wenn der PC/QNAP 24 Stunden am Tag läuft und fleißig Sicherungen zu machen scheint ist jemand gefragt, der gelegentlich überprüft, ob die Geräte auch machen was sie sollen.
    Will heißen: Jemand ist zuständig für die Sicherung und deren Überprüfung. Eine Prüfung heiß:
    • Regelmäßig – am beste nach jeder Sicherung – die Logs prüfen

    • In gewissen Abständen Sicherungen vom Medium zurückspielen, zum Einen um zu prüfen ob die Sicherung auch funktioniert hat, zum Anderen damit man im Notfall auch weiß, wie die Daten zurückzuspielen sind. In der Hektik, das Handbuch lesen und herausfinden wie es geht, wenn man die Daten dringend benötigt, schlechte Idee.
    Wo soll die Datensicherung gelagert werden?
    Die Sicherung der Daten direkt auf der QNAP zu lagern ist nicht wirklich die beste Idee. Sollte die QNAP im wahrsten Sinne des Wortes „Abrauchen“ ist die Datensicherung gleich auch mit dahin. Deshalb sollte man sich schon von Beginn an Gedanken machen, wo die Datensicherung gelagert werden soll.
    Im Idealfall wird eine Sicherung an einem anderen Standort als das NAS gelagert. Steht das NAS z.B. in der Firma, kann der Verantwortliche diese zu sich nach Hause nehmen. (In diesem Fall dies bitte mit dem Vorgesetzten und/oder Chef klären, nicht dass Ihr wegen Datenklau verhaftet werdet. Im umgekehrten Fall auch nachfragen und gut anschreiben bevor Ihre Eure private Sicherung in den Firmentresor legt, ansonsten kann es passieren, dass die Daten auf der falschen Arbeitsstation landen. :D )
    Die Lagerung sollte jedoch an einem Ort sein, an den Ihr häufig und ohne Probleme herankommt, ansonsten wird das Backup nicht regelmäßig gemacht und ein zeitnahes Wiederherstellen ist auch nicht gegeben. (Bei der Tante in Amerika sind die Daten zwar weit genug getrennt, aber das Herankommen könnte sich schwierig gestalten).
    Der Ort sollte auch dunkel (keine UV-Strahlung), und eine möglichst konstante Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit haben. Feuchte sowie sehr warme und sehr kalte Räume sind nicht ideal. Hier wären ~20°C und ~50% Luftfeuchtigkeit optimal. Der zwar dunkle aber oft auch sehr feuchte Keller eignet sich genau so wenig wie der Kühlschrank (zwar dunkel und konstante Temperatur, aber etwas frostig und Gefahr der Kondensatbildung). :D



    3. Diverse Ansatzpunkte

    Hier einige thematisch unsortierte Gedanken und Ansatzpunkte:
    • Backup regelmäßig ausführen, am besten automatisch

    • Logs und Sicherung regelmäßig prüfen

    • externe Medien nach der Sicherung von der QNAP trennen

    • einen sicheren aber einfach zugänglichen Lagerort für die Sicherung finden

    • nach Möglichkeit auf mehreren Medien sichern

    • RAIDs und Sicherungen innerhalb der QNAP ersetzen kein richtiges Backup

    • eine Echtzeitsicherung auf ein anderes NAS ohne Versionierung ist auch keine brauchbare Strategie

    • verschiedene Stände (Versionieren) ermöglichen es auch ältere Stände zurückzuholen

    • macht Euch mit der Backup-Software vertraut: Überlegt und übt wie die Daten im Erstfall zurückgespielt werden können

    • lieber eine Sicherung zu viel als eine zu wenig

    • findet das für Euch richtige Intervall

    • vor „Umbauarbeiten“ immer eine Sicherung durchführen, es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren

    • Einstellungen der QNAP und Apps mitsichern



    4. Mein Fazit

    Man könnte noch viel über diese Thema schreiben, aber man müsste wohl ein ganzes Buch daraus machen um den Thema gerecht zu werden. Aber für die Meisten dürften für erste Überlegungen schon die Grundlagen genügen. Und sind wir mal ehrlich, eine Sicherung ist keine Hexerei. Man muss sie nur machen.

    In dem Sinne, frohes und hoffentlich regelmäßiges Sichern.


    Bisherige Artikel zu diesem Thema

    Starthilfe: aller Anfang - Teil 1: Der Kauf

    Mavalok2

    Blog-Artikel



    Weitere Teile folgen.

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