NAS im Kühlschrank betreiben?

  • Hallo, erstmal vorweg, mein Anliegen ist wirklich Ernst gemeint!


    Folgende Situation: Ich habe einem Kunden, einem metallverarbeitenden Betrieb, ein TS-469 Pro installiert.


    Das NAS steht im Bürobereich, aber auch hier ist die Luft mit irgendwelchem feinen Staub aus der Produktion belastet, der über die Zeit die Lüfter der PCs zusetzt. Ich bin sicher, dass auch dem NAS der Staub über kurz oder lang schadet.


    Deshalb meine Überlegung, könnte das NAS in einem Kühlschrank untergebracht werden? Ein Kühlschrank sollte ja eigentlich ziemlich Luft- und damit wohl auch Staubdicht sein. Den Thermostat würde ich möglichst hoch stellen, so dass das Gerät nur wenig kühlen müsste.
    Natürlich würde der elektrische Wirkungsgrad des NAS darunter leiden. Bei 50% Wirkungsgrad der Kühlung braucht das System 'NAS im Kühlschrank' dann drei mal soviel Energie wie das NAS alleine.


    Hat jemand sowas schon mal gemacht? Habe ich irgendwas grundsätzliches übersehen?
    Mir fällt eigentlich nur das Kondenswasser ein, das der Idee entgegensteht. Wenn sich der Thermostat entsprechend hoch einstellen lässt, müsste das aber doch verschmerzbar sein...


    Sorry für das etwas schräge Erstlingsposting, aber ich habe hier wirklich ein Problem mit dem Staubschutz.

  • Hm, eigendlich sollte es ein Gut abgedichteter Serverschrank auch machen,..... zumal du dort auch mit der Wärme kein Problem bekommst,....


    Ansonsten fänd ich das Kondensat sehr bedenklich,... grade im Sommer.

  • Skurille Idee - die funktionieren sollte.


    Ein Kühlschrank ist weitestgehend luftdicht, also auch ziemlich staubdicht. Die Kühlleistung müsste so eingestellt werden, dass die NAS sicher nicht gefrostet wird.


    Kondensat kommt nur in Frage, wenn der Schrank häufig geöffnet wird und so häufig warme Luft eindringt, aus der sich durch die Abkühlung dann Kondensat bildet. Das aber setzt sich eher an den Seitenwänden ab und gefährdet die NAS nicht. In unseren Kühlschränken in der Küche haben wir ja auch keine nassen Marmeladengläser. Den KS halt nicht zu kalt einstellen und so selten wie möglich öffnen.


    Die Lösung kann wesentlich billiger kommen, als ein speziell für industriell-staubbelastete Umgebungen konstruierter Serverschrank. Sowas haben wir in unseren Produktionsbereichen auch, die sind schweineteuer.


    Ich würde es versuchen. Ein gebrauchter Kühlschrank aus dem second hand shop reicht ja für den Versuch. Für die Kabel musst Du dann wohl schlitze in die Türdichtung schnitzen, damit das Ding möglichst luftdicht bleibt, dass die NAS warme Luft von aussen ansaugen kann, wäre nicht gut, dann würde es ihr drinnen auf die Dauer doch zu feucht.


    GLG GBD

  • "GorillaBD" schrieb:

    Für die Kabel musst Du dann wohl schlitze in die Türdichtung schnitzen,


    Damit hast du aber keinen dichten Kühlschrank mehr,.... dann ehr die Seite anbohren,.... Kabel druch, und das Loch in der Seitenwand wieder sauber verschließen (Silikon)


    Dann kann mach auch den Schrank aufmachen, ohne mit den Kabeln ins Gehäge zu kommen.

  • Wo Du Recht hast, hast Du Recht. ;)


    Bei weiterem Nachdenken frage ich mich allerdings, warum die NAS unbedingt selbst im staubbelasteten Produktionsbereich stehen muss und nicht über entsprechende Netzkabelverbindung (nötigenfalls zwischengeswitched), in einen unbelasteten Raum verlegt wird. Das ist doch gerade die Stärke von LAN-Verbindungen. Letztlich ist das mit dem KS doch Gefrickel, creativ zwar, aber doch keine industrielle Lösung. Das Kabel ziehen sollte doch billiger sein, als nen Kühlschrank beschaffen und den anzubohren und auf Dauer kostet das Ding ja auch dann unnötige Energie.


    GLG GBD

  • Danke für eure durchaus hilfreichen Beiträge!
    Morgen bin ich wieder beim Kunden, dann werde ich ihm die Idee mit dem Kühlschrank vorschlagen, es erscheint tatächlich praktikabel, das NAS in einem solchen unterzubringen. Es gibt auch Flaschenkühlschränke oder Weinkühlschränke mit Glastüren, das sieht dann sogar optisch recht gut aus.


    Ein Problem ist mit Sicherheit der Thermostat, bei üblichen Kühlschränken endet der Regelbereich bei 10..12°C. So kalt braucht es das NAS nicht, ich würde also statt des eingebauten Thermostats einen externen nehmen, der die Stromzufuhr des Kühlschranks direkt schaltet.


    Ein Serverschrank ist tatsächlich deutlich teurer als ein Kühlschrank. Außerdem hat ein Serverschrank Staubfilter, deren Qualität ich nicht beurteilen kann. Ich weiß ja auch nicht, was für ein teuflischer Staub in dem Gebäude rumfliegt. Nicht dass der Staub durch den Filter diffundiert oder ihn schnell verstopft, so dass das NAS doch zu heiß wird.


    "GorillaBD" schrieb:


    Bei weiterem Nachdenken frage ich mich allerdings, warum die NAS unbedingt selbst im staubbelasteten Produktionsbereich stehen muss


    Das NAS wird nicht im Produktionsbereich stehen, sondern in einem Büro.
    Die Erfahrung mit den dort befindlichen PCs zeigt aber, dass es selbst im Büro jede Menge Staub gibt. Es sind die Lüfter, die dazu führen, dass sich der Staub in den PCs dermaßen anreichert.
    Die Mitarbeiter scheinen gesundheitlich bisher keine Probleme zu haben...


    Sollte die Kühlschrankidee umgesetzt werden, halte ich euch natürlich auf dem Laufenden!

  • Wobei 8-12 °C für meine NASse kein Problem darstellt. Das ist deren Wintertemperatur in meinem ungeheizten Kellerraum, wo zwei von ihnen stehen und das stört die überhaupt nicht.


    Ich würde daher sogar den Versuch mit dem Standardthermostat im KS beginnen.


    GLG GBD

  • Also als Test um des Testens Willen kann man einen Kühlschrank probieren, aber hinsichtlich des Stromverbrauchs und der Tatsache, dass man einen funktionierenden Kühlschrank auch noch Anbohren muss, wäre mir das suspekt.


    Wie wäre es damit?
    Das NAS in eine taugliche Kiste packen, z.B. mit den üblichen Profilelementen aus dem stagecase Bereich gebastelt.
    Hinten einen Schlitz reinsägen, durch die man die Kabel führen kann und von innen zwei Schaumstoffstücke dagegen kleben, damit die Durchführung staubdicht ist.
    Zwei üppige Kühlkörper nehmen, eine etwas kleinere Kupferplatte (in der Stärke der Rückwand) und eine entsprechendes Loch an der Rückseite des Cases.
    Dann die Kühlkörper, einer innen einer aussen, über die Kupferplatte verschrauben und das NAS so reinpacken, dass der Lüfter direkt auf den Kühlkörper bläst.
    Auf den äusseren Kühlkörper einen 120mm Lüfter montieren, der die Wärme abführt. (da gibt es schon welche, die ab 2,4V betrieben werden können)
    Für die Stromversorgung einen USB-Anschluss des NAS verwenden.
    Im Innern muss nur genügend Raumfreiheit bestehen, damit die Luft intern ausreichend zirkulieren kann.
    Wartung: hin und wieder einen Pinsel in die Hand nehmen ("einen", nicht "den") :mrgreen:


    EDIT:
    Wenn mehr Kühlung gefragt ist, kann man auch mit einen Peltier Element und einem Steckernetzteil nachhelfen.


    Gruss
    Micha

  • Hallo zusammen,


    ich erlaube mir auch einmal, ein Statement abzugeben, auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache...


    Von der Verwendung elektronischer Geräte (insbesondere Computer und/oder -komponenten in einem handelsüblichen Kühlschrank möchte ich dringend abraten.


    Es spielt überhaupt keine nennenswerte Rolle, auf welche Temperatur das Gerät eingestellt wird.


    Zum Einen handelt es sich um einen geschlossenen Kondensatbereich, zum anderen ist in dieser Hinsicht das Beispiel mit dem (nicht) feuchten Marmeladenglas hinfällig, da Glas ansich ein schlechter Wärmeleiter ist und sich trotz Alledem ein geringfügiger Feuchtefilm darauf absetzt.


    Selbst bei modernen No-Frost-Kühlschränken bilden sich Kondensate, die vielleicht nicht "spürbar" sind, sich aber dennoch besonders auf metallenen oder NE-Komponenten absetzen. Da wären z.B. die Kontakte der Platinen, Bauteile und -gruppen, etc. In Verbindung mit geringfügigen Mengen Hausstaub, die sich auch in einem Kühlschrank nicht vermeiden lassen bilden sich Übergangswiderstände und evtl. auch direkte Feuchtebrücken, die das zu kühlende Gerät innerhalb relativ kurzer Zeit zum Tode verurteilen können.


    Es hat simple physikalische Gründe, wieso Serverschränke so irrsinnig teuer sind - insbesondere, wenn sie mit einer entsprechend elektroniktauglichen Klimaanlage versehen sind.


    Ich finde, daß ein NAS für solche Experimente, die ein simpler Physikstudent im ersten Semester erklären könnte, deutlich zu teuer ist. :) (Ist nicht persönlich gemeint!!!)


    LG, Marco

  • "GorillaBD" schrieb:

    Wobei 8-12 °C für meine NASse kein Problem darstellt. ....


    Dem NAS bestimmt nicht, aber für die Platten ist das nicht so toll!
    Die ideal Temperatur für HDDs soll angeblich zwischen 30 - 40 Grad liegen!


    Ich haben schon im Keller (ca. 15 Grad) Probleme die Platten über 20 Grad zu betreiben.


    Gruss slonnet

  • Diese erforderliche "Idealtemperatur" höre ich zum ersten Mal. Wer behauptet das und mit welcher Begründung ?


    Die Festplattenhersteller erlauben eine "ambient Temperature" von min. 0°C für ihre Platten, so kalt war es im Case der laufenden NASse in meinem Keller noch nie.


    Ich habe derzeit weniger als 15°C im Keller und meine WD30EFRX ist im Standby in der 119PII auf 18°C und in Betrieb sofort etwas über 20°C. Mache mir um die und auch um die in meiner 659ProII keinerlei Sorgen.


    GLG GBD

  • "GreyAngel" schrieb:

    Von der Verwendung elektronischer Geräte (insbesondere Computer und/oder -komponenten in einem handelsüblichen Kühlschrank möchte ich dringend abraten.


    Es spielt überhaupt keine nennenswerte Rolle, auf welche Temperatur das Gerät eingestellt wird.


    Damit Du nicht alleine dastehst: Dem schließe ich mich gerne an.

  • "GorillaBD" schrieb:

    Diese erforderliche "Idealtemperatur" höre ich zum ersten Mal. Wer behauptet das und mit welcher Begründung ?


    Ich denke auch das ist, wenn es das gibt, älter.
    Ich kann mich an alte MFM-Platten erinnern, die erst richtig marschierten, wenn das Spiegelei darauf gebrutzelt hat :mrgreen:
    Da war man allerdings mit der Lagertechnik noch nicht so weit wie heute und hat die Toleranzen auf solche Temperaturbereiche berechnet.
    In Servern sitzen die Platten am Lufteintritt und in klimatisierten Umgebungen, auch da habe ich nie so hohe Temperaturen wahrgenommen.
    Bei einer Wassertemperatur von 45° kann man sich schliesslich schon verbrühen, also wird es sehr warm (gefühlt) wenn man eine Platte mit 40° anfasst.
    Gerade die aktuellen stromsparenden Platten können bei dem geringen Verbrauch doch nicht 40 Grad erreichen, es sei denn die Umgebung wärmt sie derart auf.
    Mit der WD RED z.B. sehe ich da schwarz. :)


    Idealtemperaturen kenne ich in erster Linie bei USV-Batterien, da sind die Auswirkungen auch deutlich wahrnehmbar.


    Gruss
    Micha

  • "GreyAngel" schrieb:

    Ich finde, daß ein NAS für solche Experimente, die ein simpler Physikstudent im ersten Semester erklären könnte, deutlich zu teuer ist. :) (Ist nicht persönlich gemeint!!!)


    Wir hatten das nicht in Physik, sondern in Thermodynamik.


    Der Kühlkreislauf, in dem der Kondensor hängt und der Kühlraum selbst sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Kondensat im Kühlraum kann sich nur bilden, wenn dieser Feuchtigkeit in der Luft enthält (welche beim Öffnen desselben eintritt), die beim Abkühlen der Luft dann, weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme, ausfällt (kondensiert).


    Hält man den Kühlraum aber weitestgehend luftdicht, kann keine warme Luft eindringen, somit auch keine Feuchtigkeit und somit kann sich im Kühlraum auch kein Kondensat bilden.


    Hielte man den Kühlschrank innen auf Raumtemperatur (was praktisch schwer bis nicht zu realisierbar sein sollte), könnte sich ebenfalls kein Kondensat im Kühlraum bilden, eben weil keine Kühlung stattfindet, die das verursachen könnte.


    Kühlräume neigen per se im Sommer zu stärkerer Kondensatbildung als im Winter, einfach weil warme Umgebungsluft im Sommer mehr Feuchtigkeit enthält, als trockene Heizungsluft im Winter. Kann jeder einfach daheim selbst beobachten.


    That's it. Very simple. Erstes Semester. :mrgreen:


    Jugend forscht ja gerne in jedem Alter. :D Für mich steht und fällt dieses Experiment hier damit, wie luftdicht der Kühlraum gehalten werden kann. Klappt das nicht ordentlich, können einige hier geäusserte Befürchtungen eintreten, bleibt der halbwegs dicht, könnte es hinhauen. Allerdings würde ich bei einem gebrauchten Kühlschrank eine präventive Schimmelbehandlung durchführen, denn Schimmel liebt geschlossene Systeme...


    GLG GBD

  • Kurzer Zwischenbericht:
    Der Kühlschrank wurde bestellt. Es handelt sich um einen Weinkühler. Ich werde bei Gelgenheit wie versprochen ein Foto einstellen.


    Ich möchte aus Gründen der Energieeffizienz keinesfalls unter 18°C kühlen. Ach ja, der Kühlschrank kostet 300€, dafür bekommt man noch lange keinen klimageregelten Serverschrank mit ordentlichem Filter.

  • Fuer das Geld + Betriebskosten koennte man sich auch Webspace bei einem Hoster buchen,statt dem Kunden soeine Hinterhofschrauberbastelloesung inkl. thermodynamischer Probleme anzubieten. Im privaten Bereich kann man sowas ja machen, aber professionel sieht anders aus.


  • Stimmt wohl...


    Theorie nennt man das, was in der Praxis so gut wie nie funktioniert! Theoretisch hast Du absolut recht und ich gehe damit d'accor.
    In der Praxis wird das auf Dauer höchstwahrscheinlich nicht funktionieren - auch nicht mit einem hübschen Weinkühler.
    Dem ist das nämlich beflissentlich egal, ob die Flaschen von außen feucht werden oder nicht. ;)


    *schmunzel* Aber probier es ruhig aus - ist nicht unser Geld. :) *zwinker*


    Ganz lieben Gruß, Marco