Chrome OS - Wie Chromebook mit QNAP NAS kann

00 Titel.jpgDieses Mal wird es einen etwas anderen Bericht geben. Denn die Meisten werden sich schon hier fragen: „Chromebook, Chrome OS? Google Chrome kenne ich. Ein Notebook mit den Chrome Browser oder was?“ Kurz: genau so. OK, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Und diejenigen die es kennen oder meinen es zu kennen werden wohl sagen: „Mit dem kann man ja nix machen“. Also muss ich ein wenig weiter ausholen als üblich. Sprich ich werde kurz das Chrome OS und dessen Prinzip und Möglichkeiten andeuten. Keine Angst, es wird kein 20-teiliger Testbericht über Chromebooks werden. Schließlich sind wir hier im QNAPForum.



1. Wieso überhaupt ein Chromebook?


Ich war auf der Suche nach einem Notebook zum Surfen und E-Mails verschicken, ohne Schnick und Schnack. Und vor allem:

  • einfach zu bedienen ist – ok, da wäre ein MacBook auch gut geeignet, aber…
  • auch zahlbar ist – oje, da scheidet das MacBook aber so was von aus :(
  • keinen Virenscanner benötigt – ok, Windows hat den Defender schon mit dabei, also zumindest keine Extrakosten und jährliches verlängern, ein Tablet kann hier auch noch mithalten, iPadOS benötigt gar keinen, Android je nach dem zum Teil im System
  • ein großes Display alter Mann sieht nicht mehr so gut :( also nix mehr mit Tablet
  • keine Update-Orgien – wie bei Windows mit anschließendem Overkill, ok andere Hersteller bekleckern sich da auch nicht immer mit Ruhm, aber ein Linux ist hier naheliegend
  • schnell startet bei einem frisch installierten System können dies noch die meisten Betriebssysteme, aber sobald ein paar Dienste installiert sind und im Hintergrund starten müssen, aber spätestens wenn die Security-Software ihren Dienst antritt ist nichts mehr damit.
  • wenn man das Gerät ein paar Wochen nicht im Einsatz hatte erst mal 1 Stunde warten muss bis alle Updates installiert sind oje, da schneidet Windows schon wieder nicht so gut ab.


Also musste was ganz neues her. Und irgendwie hat es mich schon immer gereizt so ein Teil auszuprobieren.


Ein weiterer Grund ist der momentan herrschende Notebookmangel. Ich schätze einige von Euch werden im Moment auch das Problem haben, dass der Familien-PC / -Notebook einer verstärkten Nutzung unterliegt. Sei es weil die Jungmannschaft digitale Schulaufgaben lösen soll oder der Partner gerade im Home-Office am Arbeiten ist. Also muss eine lieferbare und zahlbare Alternative für kleine Sachen zwischendurch her. Wieso also kein Chromebook?



2. Die Idee hinter einem Chromebook?


Das Chromebook ist effektiv ein Surf-Notebook. Wer Videoschnitt oder Gaming damit machen will wird böse auf die Nase damit fallen. Dafür ist es schlicht nicht ausgelegt. Wer eine Aversion gegen Google hat sollte ebenfalls besser die Finger davon lassen. Denn das Google Chromebook geht nun mal nicht ohne Google, Google Konto und Google Dienste. Denn die meisten Dienste – wie z.B. Google Docs, das Google Online Office – werden direkt in der Google Cloud ausgeführt.

Aber das heißt jetzt wiederum nicht, dass man alles in der Cloud haben muss.

Auch die Meinung, dass das Teil dann zu nichts zu gebrauchen ist stimmt so nicht. Allerdings ist die Hardware etwas anders als man sie vom „normalen“ Notebook gewohnt ist. Eine Festplatte sucht man hier meist vergeblich. Speicherplatz hat es dennoch, wenn auch die Idee dahinter ist den Großteil in der Cloud zu speichern. Mein Gedanke war aber, den größeren Teil auf dem QNAP NAS zu speichern. :)


Was wie geht oder eher nicht, werden ich den folgenden Abschnitten erklären.



3. Der Aufbau


Dieses Thema will ich nur ganz kurz anschneiden. Die Basis für die Bedienoberfläche stellt tatsächlich der Chrome Browser dar. Man arbeitet mehr oder weniger ausschließlich im Chrome Browser mit deren Erweiterungen und Apps. Man kann aber auch Android Apps auf Basis von Android 9 installieren und damit arbeiten. Android Apps mit Tastatur und Maus zu bedienen ist stellenweise gewöhnungsbedürftig, geht aber.

Die eigentliche Basis des Betriebssystem besteht jedoch aus einem Linux und dessen Kernel. Somit kann man eine Vielzahl von Geräten an den USB-Anschlüssen betreiben, ohne Treiberinstallation.

Nachträglich lässt sich auch ein Linux mit Tools, Editoren und IDEs (Integrated Development Environments) aktivieren. Dies ist allerdings Beta und habe ich noch nicht ausprobiert.



4. Die Hardware


Damit man eine ungefähre Idee davon bekommt, wie so ein Chormebook ausgestattet ist, werde ich exemplarisch mein verwendetes ASUS Chromebook C523NA dazu verwenden. Die Ausstattung kann sich je nach Hersteller und Preis auch etwas unterscheiden, ist aber bei allen von mir gesichteten billigeren Modellen sehr ähnlich.

Es gibt inzwischen Highend Modelle mit starken Prozessoren und Festplatten, aber irgendwie macht dies für mich nicht mehr so wirklich Sinn. Für den Preis kaufe ich mir dann doch lieber ein Windows- oder Linux-Notebook, mit dem ich dann alles machen kann.


Technische Spezifikation ASUS Chromebook C523NA


Prozessor

Intel® Pentium® Quad-Core N4200 Prozessor

Prozessor Taktfrequenz / Burst

1.1 GHz / 2.5 GHz

Prozessor Kerne / Threads

4 / 4

Cache

2 MB

Thermal Design Power (TDP)

6 Watt

Arbeitsspeicher

4 GB LPDDR4 2400MHz SDRAM Onboard

Grafikkarte

Intel HD Graphics 505

Grundtakt / Burst

200 MHz / 750 MHz

Display

15.6" (16:9) LED-backlit HD 60Hz Anti-Glare Panel

Auflösung

1920 x 1080

Speicher

64 GB eMMC *

Kartenleser

Multi-Format (SD/SDHC/SDXC)

Netzwerk

Wi-Fi 802.11a/b/g/n/ac (2x2)

Bluetooth

4.0

Anschlüsse

2 x Type-A USB 3.1 (Gen 1)

2 x Type-C USB 3.0 (USB 3.1 Gen 1)

1 x Audio Jack Combo


* Embedded MultiMedia Card


Quelle und detaillierte Informationen: ASUS / Intel



Anstelle einer Festplatte gibt es hier eine eMMC-Karte mit 64 GB – ich nehme mal an fest verbaut. Für die meisten wohl viel zu wenig, zumindest nach üblicher Arbeitsweise. Den Kartenleser kann man mit einer 1 TB SD-Karte bestücken. Teuer aber möglich. :)

Dafür bekommt man eine lange Akku-Laufzeit, dazu ein lüfterloses und absolut geräuschloses Notebook. Das Chromebook startet unter 30 Sekunden – fertig installiert. Wenn ich das Passwort schneller eingeben könnte würde es noch schneller gehen. Das ganze Notebook ist dünn und leicht. Ist ja auch nichts verbaut. ;)


Spartanisch, aber fürs Surfen reicht es. Aber lasst Euch nicht täuschen, es lässt sich einiges daran anschließen. Meine Testumgebung:


01 Arbeitsumgebung.JPG


Mittels USB-A Docking Station (man nimmt was man hat) sind:

  • zusätzlich zum internen Monitor gleichzeitig 2 externe Monitore
  • Tastatur und Maus
  • LAN Anschluss
  • Drucker
  • Lautsprecher

angeschlossen. Und alles ohne einen Treiber installieren zu müssen. Damit kann man durchaus arbeiten.


So, nun aber genug zu den Chromebook Grundlagen. Wer mehr wissen will kann sich im Internet informieren.



5. Der mit dem QNAP NAS tanzt


Nun aber zu den wichtigeren Fragen: „Wie kann nun das Chromebook mit dem QNAP NAS.“


Dass der Zugriff über die WebGUI für den im Chromebook integrieren Chrome Browser kein Problem darstellt dürfte keine wirkliche Überraschung sein. Hier kann man wie gewohnt alles machen. Man muss sich auch um keine Firewall- oder Virenscannereinstellungen kümmern - gibt es nicht oder habe sie bis jetzt zumindest nicht gefunden. :)


Als nächstes einen Blick in den Chrome Store, was es so an Erweiterungen und Apps von und für die QNAP gibt. Hmm, überschaubar, aber es gibt unter anderem den Qfinder, immerhin. Leider kann der Qfinder für Chrome und Chromebooks nicht wirklich viel. Er kann das NAS finden und ein paar wenige Informationen anzeigen. Zusätzlich kann er eine Verbindung mit dem Browser über die WebGUI erstellen. Das war es dann auch schon. Hier ist man von der Windows, Mac und Linux QfinderPro Variante um einiges mehr gewohnt.



Wichtiger dürfte jedoch der Datenzugriff auf das NAS sein. Chrome OS hat ein Dateiverwaltungsprogramm / Dateimanager mit dem Namen „Dateien“. Genau gleich kreativ wie Apple unter iOS/iPadOS. Damit kann man per SMB auf freigegebene Ordner des NAS zugreifen. Über:


> Einstellungen (die 3 Punkte)

> Neuen Dienst hinzufügen

> SMB-Netzwerkfreigabe


kommt man zu den notwendigen Einstellungen. Hier gibt man den Server und Freigabepfad, den Anzeigenamen sowie Benutzer und Passwort ein. Aber Vorsicht, es handelt sich hier um ein Linuxsystem. Hier erfolgt die Eingabe etwas anders als unter Windows. Die Eingabe erfolgt nach folgendem Schema:


smb://IP-Adresse-des-Servers/Freigabe-Ordner


oder


smb://Servername/Freigabe-Ordner


also z.B.


smb://192.168.1.100/Daten


oder


smb://Quendolin/Daten



Nun hat man über die Dateiverwaltung von Chrome OS Zugriff auf die Daten auf dem NAS.


07 SMB4.jpg


Es gibt auch alternative SMB-Dienste die zusätzlich installiert werden können. Unter:


> Einstellungen (die 3 Punkte)

> Neuen Dienst hinzufügen

> Neuen Dienst installieren


können zusätzlich Dienste installiert werden. Ich habe 2 oder 3 Alternativen gefunden und 2 davon ausprobiert. Einen NFS-Dienst habe ich leider nicht gefunden. Gibt aber noch diverse andere Optionen.



Zusätzlich zum vorinstallierten Dateiverwalter „Dateien“ gibt es noch die Möglichkeit über Android Apps zusätzliche Dateiverwaltungs-Programme zu installieren. In meinem Fall habe ich das Android App „Dateimanager+“ aus dem Google Store installiert. Dieses kenne ich von meinem Android Tablet.




6. Performance


Nachdem die Verbindung zum NAS hergestellt ist interessiert natürlich, wie schnell können die Daten geschaufelt werden. Mein ASUS Chromebook hat keine interne LAN-Schnittstelle – vermutlich wie die meisten Chromebooks - ist ja ein Notebook zum Surfen. Über meine WLAN Infrastruktur macht große Datenmenge zu schaufeln keinen wirklichen Spaß. Brauche ich im Normalfall auch nicht, dafür habe ich LAN. Aber die USB-Docking Station hat einen LAN-Anschluss. Also mit diversen Programmen und Diensten das NAS mit Daten bewerfen. :)


Kurz zur Testanordnung:

Die Tests wurden auf dem ASUS Chromebook C523NA mit Chrome OS 85 durchgeführt. Aktuell ist inzwischen Chrome OS 86. Ans Netzwerk mit 1 GbE angeschlossen ist das Chromebook mittels USB 3.0 Docking Station von i-tec.

Auf der NAS Seite sind ein TS-253D und ein TS-328 mit QTS 4.4.3. Hier ist inzwischen QTS 4.5.1 aktuell.

Netzwerkseitig ist ein unmanaged D-Link DGS-108 1GbE Switch.


Ich mache es wie üblich und präsentiere zuerst die Daten mit Diagramm:


12 Performance.png


Ähm ja. Nicht gerade berauschend.


Mein erster Gedanke war, das muss am Dock liegen bzw. an den angeschlossenen Geräten. Deshalb habe ich das Dock zurück an den Windows 10 PC gehängt und einen Vergleichswert erstellt. Mit 84 MB/s beim Lesen bzw. 93 MB/s beim Schreiben ist auch der Windows PC nicht so schnell wie 1 GbE leisten könnte. Die interne LAN-Schnittstelle des Win10 PC leistet auch mehr, nämlich die üblichen 112 MB/s in beide Richtungen. Liegt zum Teil wohl doch an der Docking Station. Könnte auch an den Treibern zur Steuerung des Docks liegen. Für Windows gibt es Treiber vom Hersteller, beim Chromebook nur die vorinstallierten generischen Treiber des Linux Kernels


Ein weiterer Gedanke war, dass es am vorinstallierten Dienst „SMB-Netzwerkfreigabe“ im Programm „Dateien“ des Chrome OS liegen könnte. Man kann hier ja weitere installieren. In diesem Fall habe ich zusätzlich „Network File Share for Chorme OS“ und „File System for Windows“ installiert und getestet. Tja, die sind in meinem Fall gar nicht zu gebrauchen.


Möglicherweise liegt es auch am internen Medium des Chromebooks, dem eMMC Speicher. Also hier schnell ein paar Test durchgeführt. Intern zu intern und intern zu USB-Festplatte ergeben, dass der interne Speicher scheinbar wirklich nicht sehr schnell ist. Mit 38 MB/s beim Lesen bzw. 53 MB/s beim Schreiben auf die USB-Festplatte nicht gerade berauschend. Auch USB-Festplatte zu NAS ergibt nicht wirklich schnelle Werte nämlich 9 bzw. 11 MB/s.


Deutlich besser geht es mit dem Browser selbst. Verwendet man im Chrome Browser die Filestation vom NAS geht da deutlich mehr durchs Netzwerk, 29 MB/s lesend und 44 MB/s schreibend. Das ist deutlich mehr als mit dem Dateiverwaltungsprogramm von Chrome OS.

Auch mit Dropbox – hier nur zum Vergleichen – erreiche ich im Browser die besseren Werte als mit „Dateien“ – so ein blöder Name für einen Dateimanager.


Meine Folgerung: Hier dürfte der Dateimanager das Problem bzw. noch etwas verbesserungsbedürftig sein. Aber es gibt ja die Möglichkeit aus dem Android App Store Programme zu installieren. Also den schon erwähnten „Dateimanager+“ bemüht und Daten auf das NAS abgefeuert – mit der Schneckenpost. :( Auch hier leider mit 16 MB/s bzw. 11 MB/s kein berauschendes Resultat.


Wie schon gesagt, mit Videoschnitt wird so nichts werden, auch sonst nicht mit dem Verschieben von großen Datenmengen. Braucht es normalerweise auch nicht.

Möglicherweise ist das Chromebook mit einer guten WLAN-Infrastruktur wirklich schneller. Mit modernen Access Points geht da heutzutage schon recht viel. Möglicherweise ist hier auch die Kombination mit dem USB Dock, den generischen Treiber und „Dateien“ das Problem. Erfahrungsgemäß ist der Durchsatz mit dem Dateimanager eines Betriebssystem besser als über den Browser – nicht wie hier. Mit dem passenden USB-C LAN-Konverter sieht das Ganze vielleicht schon ganz anders aus.

Vielleicht hat jemand von Euch Erfahrung damit.



7. Fazit


Hier muss jeder selbst entscheiden ob ein Chromebook eine mögliche Alternative für... ja für was auch immer sein kann. Zum Surfen, E-Mails schreiben, Videos und Musik vom NAS streamen reicht es auf jeden Fall aus. Und dafür ist das Chormebook aus meiner Sicht auch gedacht. Der Datentransfer zum QNAP NAS funktioniert über verschiedene Möglichkeiten, im meinem Fall allerdings keine davon wirklich schnell.

Kommentare 4

  • Ganz nach meinem Geschmack.

    • Du meinst nur einen Teil und mit Absätzen. :)

    • Naaa ich mein das Chrome book aber mir würde Excel fehlen und mit Google Docs werde ich nicht warm.

    • Das MS Office gibt es aus dem Android Store. Was das jedoch taugt weiß ich nicht, nicht ausprobiert.