​​​USV – Das Problem mit der stabilen Stromzufuhr

Hier im Forum wird immer wieder mal kontrovers diskutiert ob eine USV zwingend notwendig ist, überhaupt was bringt oder gar überflüssig ist. Neben einigem technischen Für und Wider, wie Preis, Stromverbrauch, dem eigentlichen Schutz vor Stromunterbruch etc. gibt es aber auch eine ganz praktische Sichtweise. Da wie so oft die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt, möchte ich ganz unvoreingenommen von einem praktischen Beispiel berichten, ein Beispiel wie es mir selbst ergangen ist. Urteilt selbst.


Vor ein paar Monaten hatte ich innerhalb von 2 Wochen mit 4 Stromausfällen zu kämpfen.


1. Stromausfall:

In der Zentrale fiel für ca. 1 1/2 Stunden der Strom aus. Dies überbrückt natürlich kein normales USV. Da ging erstmal für längere Zeit gar nichts, vor allem bis alle Server wieder liefen. An etwas was man beim Lesen wohl nicht sofort denken mag: Wir hatten auch kein Licht. Kein Strom bedeutet nicht nur kein Strom für die Server und PCs, sondern keine Strom für gar nichts.

Grund: Mehrere unterirdische Hauptkabel eines Umspannwerkes wurden auf Grund einer benachbarten Baustelle versehentlich gekappt.


2. Stromausfall:

Zeitgleich mit dem 1. Stromausfall in der Zentrale fiel auch der Strom in der Filiale aus. Dieser hat jedoch nur ein paar Sekunden gedauert. Die USV der Server hatten bei dieser kurzen Zeitspanne jedoch keine Probleme dies zu überbrücken. Die PCs mussten zwar neu gestartet werden, aber außer ein paar nicht gespeicherte Dokumente kein Schaden zu beklagen. Die Mitarbeiter der Filiale versuchten vergeblich den Ausfall der E-Mail – Mailserver steht in der Zentrale – zu reklamieren, aber ohne Strom in der Zentrale natürlich auch kein Telefon in der Zentrale. :D

Grund: Der selber wie beim Stromausfall in der Zentrale, vermutlich ein Kurzschluss in benachbarten Stromkreisläufen im Umspannwerk.


3. Stromausfall:

Zwei Wochen danach. In der Filiale musste die Heizung auf Grund eines größeren Schadens repariert werden (hatte nichts mit dem Stromausfall zu tun). Im Zuge dieser Arbeiten kam es aus mir nicht genau bekannten Gründen zu einem nicht geplanten Kurzschluss – ich hoffe auf jeden Fall dringend, dass dies nicht geplant war. Dauer: leider unbekannt, war nicht vor Ort.


4. Stromausfall:

Am Morgen danach. Für die Reparatur des verursachten Schadens am Stromnetz und der Heizung musste der Strom – dieses Mal wirklich geplant - abgeschaltet werden. Ich wurde natürlich nicht informiert, für was denn auch, schliesslich läuft eine USV unendlich lange, oder etwa nicht? Wieder ein Stromausfall. Dauer: mehrere Stunden. Das konnte die USV natürlich nicht überbrücken. Somit ist sämtlich Infrastruktur heruntergefahren. Wie startet man remote eine Infrastruktur wenn man keinen Zugriff mehr darauf hat? Zum Glück ist der Weg zur Filiale kurz.


Von Stromausfällen habe ich für die nächste Zeit erstmal genug. Zum Glück keinerlei Schäden, nur viel ausgefallene Zeit und ein paar nicht gespeicherte Daten gingen verloren. Gibt auch positives zu vermelden: Ich konnte noch ein paar Einstellungen optimieren. :|


Und nun? Ist eine USV ein Allheilmittel gegen alles was mit Stromunterbruch zu tun hat?

Mit einer USV kann man einigem vorbeugen, aber bei längeren Stromausfällen schützt auch dies nicht vor dem Nichtstun. Die Mitarbeiter in der Zentrale wurden nachhause geschickt, denn komplett ohne Strom und Licht, schwierig. Nichtstun für alle, außer dem Admin. :(

Kommentare 7

  • Naja, wer die Sekunden oder vielleicht Minuten, bis das Notstromaggregat anspringt, mit einer USV überbrücken kann, ist sicherlich im Vorteil, aber privat (wo man eher kein solches Aggregat hat) habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei einem Stromausfall plötzlich trotzdem alles aus war, aber außer dem Akku der USV nichts kaputt ging.

  • Im professionellen Einsatz, ganz klar, USV muss her.

    Im privaten Einsatz, ganz klar, man muss abwägen. So ein 220V hat einen Eigenenergieumsatz von 20W. Das macht Stromkosten von 50 Euro pro Jahr. Spätestens nach 5 Jahren muss der Akku erneuert werden. Und die USV sollte regelmäßig auf Funktion getestet werden. Will sagen: Eine USV bedeutet Mehrarbeit und Mehrkosten. Das muss sich rentieren. Ein aktuelles Backup hat man eh, somit ist die Frage einer USV eigentlich nur: Kann man damit leben, dass die NAS mal eine Woche nicht läuft, sollte sie , bis eine Ersatzfestplatte oder Ersatznas im Fehlerfall zugeschickt und eingebaut wurde.

    Es gibt auch USV die nicht den Umweg über 220V gehen und bei privaten NAS mit externen Netzteilen problemlos eingesetzt werden können. Dadurch verringert sich der Eigenenergieverbrauch auf "vernachlässigbar" und es bleibt nur noch die Problematik mit dem Akku.

  • Zumindest sobald man solche Scherze wie einen SSD Schreibcache aktiviert ist eine USV sicherlich eine gute Investition - nicht umsonst habenHardware Raidcontroller auch einen Akku genau für den Fall, dass nicht alle Daten geschrieben werden konnten.

  • Definitiv. Will nicht wissen was wohl alles ohne USV passieren hätte können. Aber da ich bis jetzt noch nie so lange Stromunterbrüche hatte, habe ich dies auch ein wenig Unterschätzt. Denn nur schon ohne Licht wird alles sehr viel schwieriger.

  • das sehe ich genau so wie charly700


    Da durch die erneuerbaren Energien das Stromnetz nicht mehr zuverlässig ist (Spannungsschwankungen und Ausfälle) ist eine USV immer noch die beste Lösung auch um die Netzteile und andere empfindliche elektronik zu schützen


    Meine beiden NAS werden von einer APC Back-UPS XS 950U versorgt und kontrolliert automatisch bei Stromausfall heruntergefahren.

    Dafür ist eine USV da um die Server bzw. Datenspeicher kontrolliert herunterfahren zu können.

    Auch meine FTTH Anschluss und die Fritzbox werden von einer 400VA USV versorgt und damit kann ich locker leben.


    Leider wurden die USVs in letzter Zeit die USVs sehr stark in Anspruch genommen da öfters mal in den letzten 6 Monaten der Strom weg war (max. 35 min.)

    • Auch ich habe zwei NAS mit einer USV abgesichert. Die werden dann auch kontrolliert heruntergefahren.


      Der Aufwand mit der USV ist harmlos im Vergleich zu dem, die NAS neu installieren/konfigurieren und dann die Backups zurückspielen zu müssen.

  • Aber mit der USV kann ich wenigstens die Hardware Zeitgesteuert Runter-fahren. So wird wenigstens die Hardware nicht beschädigt, was ja ohne USV aber passieren kann.


    Ich nutze Prviat auch eine USV. In der Firma haben wir einen großen Dieselgenerator der unsere PC's mit Strom versorgt.


    Ich finde eine USV gehört zum NAS einfach dazu.