Testbericht – TVS-473e-4G Teil 7: „Speicher & Snapshots“ und das Finale

Nach 6 Teilen intensiven Testen nun endlich das Finale mit dem Gesamtfazit.


Alles hat ein Ende, zum Glück auch die Berichtreihe des Tests der TVS-473e. So intensiv und so einem harten Test wurden vermutlich noch wenige QNAPs hier im Forum unterzogen. Aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, dann muss man sie auch nutzen.



1. Speicher & Snapshots


Wie im 3. Teil versprochen gehe ich nun auf den Menüpunkt „Speicher & Snapshots“ ein. Dieses Tool hat sich inzwischen zu einer Allzweckwaffe zum Einstellen und Konfigurieren des Speichers und Festplatten entwickelt. Größtes Problem: Bei den vielen Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten kann man sich sehr leicht verrennen und das System „verkonfigurieren“. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für den Laien nicht immer ganz überschaubar ist, was jede Funktion denn genau für Möglichkeiten und Optionen bietet. Trotz guter Hilfefunktion wird mancher hier nicht umhinkommen sich mit der Thematik intensiver auseinandersetzten zu müssen um hier den Überblick zu behalten.


Wo im einzelnen die Änderungen von QTS 4.2.x bzw. 4.3.3 zu 4.3.4 sind vermag ich auch nicht zu sagen, da ich im Normalfall das Tool nur beim Einrichten des NAS und danach nur noch selten benötige. Was jedoch auf jeden Fall ins Auge springt ist die neue Funktion „Snapshot-Backup“ mit den Unterfunktionen „Snapshot Replica“ und „Snapshot Vault“. Mit „Snapshot-Backup“ besteht die Möglichkeit die erstellten Momentaufnahmen (Snapshots) auf ein zusätzliches „Snapshot Vault“ zu speichern. Dies kann zwar auch auf das lokale NAS gemacht werden, aber richtig Sinn ergibt das Ganze natürlich erste, wenn dies auf einem zusätzlichen NAS durchgeführt wird. Somit können die Snapshots als richtiges Backup eingesetzte werden. QNAP reagiert damit darauf, dass immer mehr User die Snapshot-Technik als Backup nutzen. Lokale Snapshots auf dem selben NAS können jedoch nicht wirklich als Backup angesehen werden. Bei einem Defekt des NAS – aus welchen Gründen auch immer, die ich hier nicht thematisieren möchte – wären dieses Backup sinnlos. Mit Snapshot-Backup begegnet QNAP dieser Problematik.


:!:Tipp:

Für alle die Snapshots als Backups einsetzen wollen unbedingt diese Funktion verwenden.


Beim Testen stellte ich fest, dass hier die Verwendung von Thick- oder Thin-Volume ein ziemlicher Unterschied macht. Wird bei einem Thick-Volume ein Replica Vault erstellt, wird bei diesem die selbe Größe des replizierten Volumes benötigt und belegt, auch wenn das Volume selbst noch leer ist. Bei einem Thin-Volume hingegen wird, wie das Volume selbst, auch das Replica Volume als Thin-Volume ausgeführt. Beim ersten Versuch mit Thick-Volume habe ich mir so gleich mal das NAS aufgefüllt. :( Auch das Erstellen geht mit Thin-Volume sehr viel schneller als mit Thick-Volume. Schade, dass hier für ein Thick-Volume kein Thin-Replica-Volume erstellt werden kann, da für ein Replica-Volume aus meiner Ansicht andere Anforderungen als für ein eigentliches Volume bestehen.

Netter weise stellt QNAP jedoch die Möglichkeit zur Verfügung ein Thick-Volume in ein Thin-Volume zu konvertieren, was bei mir auch ziemlich schnell und ohne Probleme funktioniert hat. Den umgekehrten Weg gibt es leider nicht.


:!:Tipp:

Beim Konvertieren von Thick- in Thin-Volume werden die Momentaufnahmen (Snapshots) vom betreffenden Volume gelöscht.


Leider kann ich die Funktionen iSCSI sowie VJBOD nicht testen, da mir dazu die nötig Hardware fehlt. Wer jedoch vor hat mehrere NAS aneinander zu hängen sollte sich vielleicht die Funktion VJBOD mal ansehen.

Qtier könnte für Besitzer von SSD und M.2 Festplatten in der QNAP interessant sein. Hier werden häufiger benutzte Daten automatisch auf die schnelleren Festplatten ausgelagert.



Zwischenfazit:

Wer hier keine Möglichkeit findet seinen Speicher und Festplatten passend einzuteilen und zu verwalten, der sollte vielleicht doch lieber wieder zu Papier und Bleistift wechseln. :D 4.5 von 5 Sternen



2. Diverses


Während des Tests sind mir noch diverse Kleinigkeiten aufgefallen.


Die mitgelieferten Netzwerkkabel sind Cat.5e UTP. UTP steht hier für Unshielded Twisted Pair – nicht abgeschirmte verdrehte Paare. Das bedeutet, dass hier weder eine Gesamtabschirmung noch eine separate Abschirmung der Paare vorhanden ist. Es werden hier bei der TVS-473e die selben Kabel mitgeliefert wie bei den billigeren Modellen TS-451A oder TS-231+. Da das Kabel sehr kurz ist, kann dies beim Fehlen von Störungsquellen wie z.B Netzteilen problemlos eingesetzt werden. Ansonsten ist es empfehlenswert diese durch hochwertigere mehrfach abgeschirmte Kabel zu ersetzen, da hier ansonsten Probleme auftreten können.


Immer wieder im Forum diskutiert, dass der Sicherungsmanager und Hybrid Backup nicht gleichzeitig verwendetet werden können. Ein deinstallieren des Hybrid Backup zur Verwendung des Sicherungsmanagers ist jedoch wie bisher angenommen nicht zwingend notwendig. Ein deaktivieren im App Center reicht aus, damit der Sicherungsmanager wieder verwendet werden kann.


Wie schon geschrieben besitzt die TVS-473e keinen Standby-Modus. Obwohl ich in den tiefen des Systems ein Script für diesen gefunden habe, lässt sich der Standby-Modus damit trotzdem nicht nutzen. Also definitiv kein Standby für die TVS-473e.



3. Bisherige Berichte


1. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 1: Die Hardware


2. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 2: Der Zusammen- und Aufbau


3. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 3: Installation und QTS


4. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 4: Apps – Die Virtualization Station


5. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 5: Apps – Container Station, Q'Center und mehr


6. Testbericht – TVS-473e-4G Teil 6: Benchmarks, Stresstest, Performance



4. Das End- und Gesamt-Fazit


Man könnte zwar noch ewig weiter testen und hätte trotzdem noch nicht alle Funktionen der TVS-473e und von QTS ausprobiert. Der Funktionsumfang des aktuellen QTS Betriebssystems in Verbindung mit dem App Center ermöglicht ein extrem großes Einsatzgebiet. Hier von einem simplen NAS / Datenspeicher zu sprechen hat schon lange keine Gültigkeit mehr. Vielmehr ist dies schon ein „fast“ ausgewachsener Server – aber hier streiten sich wohl die Geister. Es gibt jedoch kaum eine Aufgabe mehr, für die die QNAP nicht eingesetzt werden könnte. Gerade in Kombination mit der leistungsstarken Hardware der TVS-473e bleiben hier eigentlich kaum Wünsche offen.


Für Privatpersonen, simples Datenspeichern sowie als Datengrab und Backup ist dieses NAS eigentlich schon viel zu schade und überdimensioniert. Für größere Familien, kleinere Betriebe und Speedjunkies sowie als schneller Datenspeicher bietet die TVS-473e eigentlich so ziemlich alles was man genötigt. Wird das Problem mit dem zu geringen Arbeitsspeicher durch Nachrüsten noch behoben gibt es eigentlich kein Halten mehr. Wem dies immer noch nicht genug ist, kann die TVS-473e noch mit 10 GbE per Erweiterungskarte und M.2 Festplatten ausrüsten.


Trotz hartnäckiger Versuche meinerseits konnte ich der TVS-473e und dem aktuellen QTS keine nennenswerten Schwächen entlocken. Das Wenige, das ich beanstanden konnte ist Jammern auf hohen Niveau. Selbst beim Stresstest war ich der Gestresste und nicht die TVS-473e. :D

Natürlich gibt es immer etwas was besser gemacht werden könnte und was jemand lieber anders habe würde. Auch ist es bei diesem Umfang an Funktionen unvermeidbar, dass sich immer wieder Fehler einschleichen und korrigiert werden müssen. Aber QNAP arbeitet kontinuierlich und fleißig daran.


Einziger Wermutstropfen: Der Preis. Eine voll ausgestattete TVS-473e ist auch nicht mehr wirklich günstiger als ein echter kleiner Server. Man bekommt allerdings auch ähnliche Leistung, allerdings mit dem großen Funktionsumfang des QTS-Betriebssystems.


Nichtwiederhergebenwillfaktor: 5 von 5 Sternen



5. Schlusswort


So ein Test-NAS ist eine feine Sache. Selbst als IT-ler hat man meist nicht die Möglichkeit ein Gerät so ausgiebig zu testen, da dieses meist schon vor dem Bestellen einsatzbereit sein sollte. An produktiven Systemen sollten man solche Tests besser sein lassen, ansonsten ist das produktive System schnell zum nicht produktiven System degradiert – zu Hause zwar lästig, im geschäftlichen Bereich aber ein Problem.

Auch wenn mein privates NAS zu Beginn zum Testen her gehalten hat, irgendwann musste ich es dennoch dem eigentlich Bestimmungszweck zuführen.

Auch muss man sich bei einem Test-NAS keine Gedanken machen, dass die Testkonfiguration so überhaupt nicht den eignen Anforderungen entspricht und für den eigentlichen Einsatz wieder von Vorne an konfiguriert werden muss.

Allerdings sollte man für das Testen ein wenig Zeit einplanen. Es hat mich selbst überrascht, wie viel Zeit notwendig ist um nur halbwegs die wichtigsten Funktionen anzutesten. Dabei habe ich sämtliche Multimediafunktionen, aber auch Businessfunktionen wie Domain-Controller und Active Directory weggelassen. Ein kompletter Test ist kaum möglich, wie man schon am Umfang dieser Testreihe sehen kann.


Ich möchte mich hier nochmals bei Christian bedanken, dass er mir dieses Test-NAS vermittelt hat und diese Testreihe möglich gemacht hat.

Natürlich gilt mein Dank auch QNAP, die dieses NAS zum Testen überhaupt zur Verfügung gestellt hat, etwas das sicher auch nicht bei jedem Hersteller üblich ist.

Kommentare 2

  • Wie immer ein Freude deine Testberichte zu lesen, Danke.

  • Zitat


    Größtes Problem: Bei den vielen Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten kann man sich sehr leicht verrennen und das System „verkonfigurieren“. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für den Laien nicht immer ganz überschaubar ist, was jede Funktion denn genau für Möglichkeiten und Optionen bietet. Trotz guter Hilfefunktion wird mancher hier nicht umhinkommen sich mit der Thematik intensiver auseinandersetzten zu müssen um hier den Überblick zu behalten

    Sehr richtig! Ich bin als absoluter NAS-Neuling schon beim Einrichten auf die super Hilfestellung hier im Forum angewiesen gewesen! Nun werde ich mich etwas näher mit den Thin-Volumes auseinandersetzen. Für Absolute NAS-Neulinge ist auch die Hilfe von QNAP selbst etwas zu komplex oder zu wenig umfangreich.

    Privatpersonen und Nicht-Netzwerktechniker können ganz schön leicht ins Schwitzen geraten!


    Danke für die super Produkttestung und die wertvollen TIPPs!