Testbericht – TVS-473e-4G Teil 4: Apps – Die Virtualization Station

Das App-Center bietet eine große Auswahl an nachzuinstallierenden Apps. Man muss sich hier beim Testen richtiggehend verkneifen einfach alle zu installieren und ausprobieren zu wollen. Das würde nicht nur den Zeitrahmen sprengen, sondern das wird dann wohl auch niemand mehr lesen wollen. Spätestens bei Teil 525 dieser Testreihe wird auch der härteste Leser wohl aufgeben. :D
Deshalb mehr oder minder nur ein paar „Kern-Apps“ die mir im Zusammenhang mit der Leistungsstärke dieses QNAP-Modells als sinnvoll erscheinen.


Das App, welches mich am Meisten von allen interessiert ist wohl die Virtualization Station. Bietet sich die TVS-473e mit der leistungsstarken Hardware gerade zu für Virtualisierung an. Leider ist mein Testgerät nur mit 4 GB Arbeitsspeicher ausgerüstet, was für Virtualisierung wohl eher unterdimensioniert ist. QNAP gibt jedoch an, dass dies ab 4 GB RAM möglich sein.



1. Die Installation von Lubuntu

Also kurzerhand die App aus dem Center installiert, was schnell und ohne Probleme funktioniert. Gestartet wird die App schon direkt nach dem Installieren, also nur noch kurz daraufgeklickt und...


Aha, das fängt ja schon mal gut an. In meinem Fall handelt es sich um die neuste Version des Opera-Browsers – der ja auf der Google-Chrome WebEngine basiert – unter Ubuntu. Aber was soll's, dann eben ein anderer Browser. Sowohl mit Firefox als auch Chrome funktioniert die Virtualization Station. Internet Explorer und Edge kann ich unter Ubuntu natürlich nicht testen, aber gehe mal davon aus, dass wenn QNAP es schon hinschreibt, dass es dann auch funktionieren wird.




Da der Speicher knapp ist beginne ich mit einer einfachen Übung für die VS, mit einem Lubuntu 16.04, der aktuellen LTS-Version des Ubuntu-Ablegers mit LXDE Oberfläche. Lubuntu benötigt wenig Ressourcen, aber vor allem wenig Arbeitsspeicher. Das aktuelle Installations-Image lässt sich von der Lubuntu-Homepage herunterladen. In meinem Fall habe ich mich für x64 Version entschieden, handelt es sich bei der TVS-473e doch um ein x64 Modell mit x64 CPU.
Das erste Einrichten geht relativ einfach von der Hand, denn all zu viele Einstellmöglichkeiten gibt es hier nicht.




Ich setze den Arbeitsspeicher mal auf die Hälfte, also 2 GB. Mal sehen was passiert. Was ich hier beim Einrichten schon feststelle, dass man beim Erstellen der virtuellen Festplatte nicht festlegen kann, ob der Speicher direkt belegt werden soll oder nicht, sprich ob das Volume thick oder thin sein soll. Wie es aussieht, kennt VS nur die Thin-Variante. Die VM wird als eine einzige Datei mit der Endung „img“ auf die Festplatte gespeichert.
Ein weiteres Problem auf dass ich stoße ist, dass sich auch unter QTS 4.3.4. weiterhin kein USB-Wifi-Stick im Virtual Switch verwenden lässt. Somit bleibt mir nur der LAN-Adapter, der aber kein Zugriff aufs Internet hat. Dies wird sich für mich noch als richtiges Problem erweisen.




Schaltet man nun die virtuelle Maschine ein beginnt die Installation vom eingebunden Installation-Image.




Die Steuerung der virtuellen Maschine erfolgt direkt im Browser. Das Installieren der VM ist natürlich analog zur Installation einer physischen Maschine. Die Installation von Lubuntu ist in kurzer Zeit erledigt, da Lubuntu ein sehr schlankes Betriebssystem ist.



2. Der Arbeitsspeicher

Die Einstellung des Arbeitsspeichers mit 2 GB erweist sich als Fehler, da so der komplette Arbeitsspeicher aufgebraucht wird und die QNAP beginnt in den Swap-Speicher (virtueller Arbeitsspeicher auf der Festplatte) auszulagern.





Dies verlangsamt das Arbeiten sehr stark. Da Lubuntu sich auch mit weniger Arbeitsspeicher begnügen kann, also VM kurzerhand wieder herunter gefahren und Arbeitsspeicher reduziert. Aber was ist dies...




Eine Reduktion des Arbeitsspeichers wird mit der Meldung „vQTS benötigt mindestens 2GB RAM“ nicht zugelassen. Eigenartig. Kann es sein, dass eine VM mindestens 2GB benötigt und dies obwohl der RAM-Regler bis 256 MB RAM hinuntergezogen werden kann? ?(
Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben. Also habe ich nochmals eine neue Lubuntu-VM mit 1 GB erstellt. Und siehe da, es geht doch. Die neue 1 GB Lubuntu-VM läuft ohne Problem.




Auch bei dieser VM wollte ich den Arbeitsspeicher nachträglich verändern. Aber auch hier ist dies nicht möglich. Selbst das Erhöhen auf einen Wert zwischen 1 und 2 GB ist nicht möglich. Äh, hää? Alle Werte über 2 GB funktionieren, oder würden zumindest funktionieren, wenn ich denn genügend Arbeitsspeicher hätte. :D
Und wenn mir schon beim Thema Arbeitsspeicher sind: Was mir auch noch auffällt ist, dass sich die Virtualization Station so ca. 800 MB an Arbeitsspeicher genehmigt, auch wenn keine VM läuft – sogar direkt nach einem Neustart. Benötigt man keine VM, also unbedingt die VS deaktivieren, gerade wenn der Arbeitsspeicher knapp bemessen ist.
OK, ich finde mich vorerst mit dem Gedanken ab, dass man beim Installieren genau wissen muss wie viel Arbeitsspeicher man zuteilen muss, wenn man wenig Arbeitsspeicher im NAS verbaut hat, aber eigentlich ist dies ein Unding.



3. Die Steuerung und Treiber

Wie schon erwähnt erfolgt die Steuerung in einem eigenen Browserfenster. Allerdings erweist sich diese mit den Standardeinstellungen als ziemlich träge. Aber wie bei anderer Virtualisierungssoftware gibt es „Guest-Tools“, die Treiber für das Gastbetriebssystem zur Verfügung stellen. Also diese kurzerhand eingebunden.





Sehr vorbildlich gibt es hier Treiber für alle Windows-Versionen bis hin zum alten Windows XP. Aber wo sind hier die Linux-Treiber? Nach kurzer Recherche im Internet sind diese wohl bei den meisten Linux-Distributionen schon vorhanden. Aha, ok. Also habe ich auf den empfohlenen QXL-Modus umgeschaltet.




Und siehe da, es stehen ausreichend Auflösungen zur Verfügung und das Bild wird endlich scharf. Aber die Freude währt nur kurz, nämlich bis ich das erste Fenster verschieben will. Hier kommt es jetzt zu massiven Bilddarstellungsfehlern. Hmm.
Lubuntu 16.04 ist ja schon etwas älter, also gehe ich auf die Suche nach neuen Treibern. Die QXL-Treiber scheinen ein Open-Source-Projekt zu sein und von Red Hat entwickelt oder mitentwickelt zu werden. Also diese heruntergeladen und installiert... Aber natürlich will hier das Installationspaket Bibliotheken aus dem Internet nachladen, was bei mir natürlich nicht geht, weil die VM nicht per Wifi ins Internet kann. Wieso kann QNAP nicht wie andere Virtualisierungssoftware auch aktuelle Linux-Treiber mitliefern? Schließlich wird nicht nur Windows virtualisiert.


Also lasse ich es mit dem QXL-Modus und benutze einen der anderen. Letzten Endes lande ich bei VMVGA. Hier gibt es die passenden Auflösungen, aber die Verzögerung ist sehr unangenehm beim Arbeiten. Als sich dann auch noch mehrere Abstürze der Lubuntu-VM dazu gesellen beschließe ich das Testen mit dieser zu beenden.



4. Import einer Windows-VM

Da ich eine fertig installiere Windows 10 VM auf einer anderen Virtualisierungssoftware habe beschließe ich die Importfunktionen zu testen. Und vielleicht habe ich ja mit Windows mehr Glück beim Testen.


Das Exportieren in das ova-Format und anschließende Importieren in VS benötigt eine Weile.




Hier sehe ich allerdings keine andere Möglichkeit als der VM-Maschine 2 GB Arbeitsspeicher zuzuteilen. Denn Windows 10 mit weniger als 2 GB macht wohl nicht wirklich Sinn.
Beim ersten Start rattern die Festplatten wie Weltmeister, denn das NAS muss swappen/auslagern wie verrückt, denn hier reicht der 4 GB Arbeitsspeicher hinten und vorne nicht. Die QNAP lagert hier etwa 1.2 GB aus.




Bei aktiviertem QXL-Modus müssen unter Windows natürlich noch die „Guest-Tools“ installiert werden. Was dank mitgelieferten Treibern auch problemlos funktioniert.




Nun stehen hier die benötigen Auflösungen zur Auswahl.




Das Bild ist nun scharf und im Gegensatz zu Lubuntu ohne Bilddarstellungsfehler. Allerdings wirklich flüssig ist auch hier der Bildschirmaufbau nicht. Hier bin ich von anderer Software her mehr gewohnt.


An dieser Stelle breche ich das Testen ab, denn mit 4 GB Arbeitsspeicher bringt dies nicht wirklich viel.



5. Bilder-Galerie




6. Zwischenfazit

Eigentlich war mir von Anfang an klar, dass es mit 4 GB Arbeitsspeicher nicht leicht werden würde. Allerdings verkündet QNAP ja, dass dies auch mit 4 GB möglich sein soll. Aber sind wir ehrlich: Mit 4 GB funktioniert dies nicht wirklich. Mehr als ein bisschen Antesten geht nicht. Von Arbeiten kann hier nicht die Rede sein, vor allem wenn ein schrittweises Reduzieren des Arbeitsspeichers unterhalb von 2 GB gar nicht möglich ist, um eine optimale Balance einzustellen. Hier wäre es wohl sinnvoll ein Minimum von 8 GB einzuführen.


Bei den anderen Teil-Berichten habe ich an dieser Stelle immer ein Wertung vergeben. Aber wie soll dies hier geschehen. Um der Software gerecht zu werden, muss ich hier ein wenig differenzierter vorgehen.


Mit 4 GB Arbeitsspeicher als Arbeitsplatzersatz:
Nicht wirklich zu gebrauchen:

Mit 8 GB und mehr Arbeitsspeicher als Arbeitsplatzersatz:
Auch wenn ich nicht mit 8 GB testen konnte, denke ich, dass sich die Situation um einiges verbessern wird. Allerdings bleibt die Trägheit der Arbeitsoberfläche wohl trotz mehr Arbeitsspeicher erhalten, was mehr als ein gelegentliches Arbeiten nicht wirklich sinnvoll erscheinen lässt. Dazu die fehlenden Linux-Treiber und weitere Kleinigkeiten. Das kann die Konkurrenz noch wesentlich besser, auch die Gratisversionen.

Mit 8 GB und mehr Arbeitsspeicher als Server:
Hier wird die Situation wohl anders aussehen. Hier wird die Oberfläche nur kurz zum Konfigurieren benötigt und eine Trägheit fällt hier nicht so ins Gewicht. Da ich diese Situation nicht testen konnte, kann ich nur schwer abschätzen wie die Performance als Server ausfallen wird. Aber ich sehe die VS vor allem in diesem Szenario zuhause.


Grundsätzlich sehe ich Potential in der Virtualization Station. Möglicherweise lässt sich die Trägheit der Oberfläche mit anderer Software, z.B. unter Windows mit dem Remote-Desktop umgehen, aber mit 4 GB Arbeitsspeicher hilft auch dies wohl nicht viel weiter.
Aber so wie ich QNAP kenne, wird sich hier in nächster Zeit noch viel tun und schon kann sich die Situation wieder verbessern.
Ich hoffe trotzdem, dass dies dem Einen oder Anderen weiterhilft.


Abschließend kann ich nur eines sagen: Wollt Ihr virtualisieren? Arbeitsspeicher, Arbeitsspeicher und nochmals Arbeitsspeicher. Je mehr desto besser. :D