USB QuickAccess: Wie und wie schnell

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  • Der USB Micro B Anschluss an der Front mancher QNAP-Modelle wird für USB-QuickAccess benötigt. Dies ist ein Verfahren zum Einrichten der QNAP und zur Datenübertragung via USB. Dabei wird nicht – wie man vielleicht meinen würde – die QNAP als externes Laufwerk an den PC eingebunden, sondern wie über das Netzwerk als Netzwerklaufwerk. Es werden auch die selben Protokolle und Dienste verwendet. (CIFS - Common Internet File System, SMB - Server Message Block und Samba). Dem entsprechend benötigt es auch Berechtigungen und Netzwerkfreigaben, wobei es hier auch eine vereinfachte Möglichkeit gibt – aber mehr dazu später.

    Mein Beweggrund dies auszutestet war, dass meine Übertragungsrate per Netzwerk an die QNAP eher etwas schlecht ist, und dies obwohl das Notebook direkt per Kabel an der QNAP hängt. Da mein Ubuntu-Notebook – zwar schon etwas betagt – über USB3-Anschlüsse verfügt bietet sich dies doch an.


    1. Die Hardwarebasis

    Um eine Vorstellung zu bekommen, was denn theoretisch möglich ist, habe ich die Festplatten aller beteiligter Geräte einem Geschwindigkeitstest unterzogen.


    Das Ubuntu Notebook (Linux)
    Unter Ubuntu gibt es ein grafisches Tool das sich „Laufwerke“ nennt. Mit diesem lässt sich ein Leistungstest der Festplatte durchführen. Mit den Standardeinstellungen sieht das Testergebnis bei mir dann so aus:


    Man sieht, dass hier etwas nicht ganz stimmen kann. Die Leserate ist viel zu hoch im Vergleich zur Schreibrate. Das liegt an der zu kleinen Messwertgröße die standardmäßig eingestellt ist, denn so verfälscht der Cache die Werte extrem. Also kurzerhand die Messwertgröße auf 100 angepasst:


    Und siehe da, jetzt erhalten wir realistische Werte.

    Für diejenigen, die mit der Konsole vertraut sind oder dies bevorzugen damit zu machen sieht dies dann so aus (sda steht für die zu testende Festplatte):

    Quellcode

    1. sudo hdparm -Tt /dev/sda
    2. /dev/sda:
    3. Timing cached reads: 9324 MB in 2.00 seconds = 4664.55 MB/sec
    4. Timing buffered disk reads: 414 MB in 3.01 seconds = 137.33 MB/sec
    Wer den Buffer noch eliminieren will:

    Quellcode

    1. sudo hdparm --direct -Tt /dev/sda
    2. /dev/sda:
    3. Timing O_DIRECT cached reads: 952 MB in 2.00 seconds = 475.86 MB/sec
    4. Timing O_DIRECT disk reads: 414 MB in 3.01 seconds = 137.53 MB/sec

    OK, mit einer mittleren Lese- und Schreibrate von 137 MB/s kann das Notebook wohl nicht mehr mit einem Notebook mit verbauter SSD oder M.2 mithalten, aber es lässt sich damit arbeiten.



    Das Mac-Book
    Zusätzlich habe ich das ganze Spiel auch noch mit meinem MacBook durchgeführt. Es ist mit seinen 6 ½ Jahren aber auch nicht mehr ganz zeitgemäß.
    Für MacOS gibt es ein graphisches Gratistool namens „AJA System Test Lite“ zum Testen der Festplattengeschwindigkeit, welches sich aus dem AppStore installieren lässt.


    Hier sieht man dem MacBook sein Alter schon an. Hier darf man sich keine Wunder mehr bei der Durchsatzrate zur QNAP erwarten.



    Windows
    Für Windows gibt es unzählige Tools und Programme zum Testen der Festplattengeschwindigkeit. Eines dass ich immer sehr gerne dazu verwende ist das „H2testw“ von heise.de. Es ist sehr klein und muss nicht installiert werden und ebenfalls kostenlos, eigentlich zum Testen von USB-Sticks gedacht, aber erfüllt auch hier seinen Zweck.
    Da mir in meiner Testumgebung im Moment kein Windows zur Verfügung steht habe ich diesen Test unter Windows nicht durchgeführt.



    Die QNAP
    Auf der QNAP gibt es ein Diagnose- und Analysetool namens „QNAP Diagnostic Tool“, dass sich aus dem AppStore installieren lässt. Unter dem Menü

    > HDD Analyzer > Test performance


    lassen sich die Festplatten testen.


    Wer auch hier die Konsole vorzieht kommt mit den schon oben verwendeten Befehlen unter Putty zu etwa folgenden Ergebnissen:



    2. Das Einrichten von USB QuickAccess auf der QNAP

    Wie die Ersteinrichtung der QNAP über USB QuickAccess funktioniert – was auch möglich ist - wird in diesem Artikel nicht behandelt.
    Das Einrichten von QuickAccess geht überraschend einfach, hat aber auch nicht all zu viele Einstellungsmöglichkeiten. Das Einrichten erfolgt über:

    > Systemsteuerung > Systemeinstellungen > USB QuickAccess (QTS 4.2.5)

    Hier wird zu

    > Netzwerk- und virtueller Switch > Schnittstellen > USB QuickAccess

    verlinkt.


    Hier kann man links USB QuickAccess aktivieren. Rechts das erste Icon zeigt die Konfiguration an.


    Auch wenn der Eindruck entsteht, man könne hier die IP-Adresse ändern irrt. QNAP weißt im Handbuch ausdrücklich darauf hin, dass ein deaktivieren oder ändern des für QuickAccess notwendige DHCP nicht möglich ist. Nach verschiedenen erfolglosen Versuchen kann ich dies zumindest auf meiner QNAP bestätigen. ^^
    Mich würde hier interessieren, ob alle Modelle von QNAP die selbe IP zugewiesen bekommen. Was habt Ihr für IP-Adressen?


    Rechts das zweite Icon ist für die Einrichtung der Authentifizierung:


    Wie man im Screenshot sehen kann, gibt es hier 3 unterschiedliche Methoden. Ich habe nur die erste Methode getestet, empfehle aber zumindest die 1. oder 3. Methode, damit nicht jeder Zugriff auf die Daten hat. Man vergisst nur all zu schnell, dass man hier ansonsten ein sicherheitstechnisches Scheunentor geöffnet hat.

    Nun muss man nur noch dass Kabel an der QNAP und am gewünschten PC anstecken. Es empfiehlt sich ein USB3-Kabel (blauer Steckerinnenteil) und vor allem eine USB3 Buchse am PC (ebenfalls blauer Buchseninnenteil) zu verwenden um die volle Geschwindigkeit von USB3 ausnutzen zu können.
    Unglücklicherweise habe ich gefühlte 100 USB2 Kabel in allen Steckerformen und Längen, aber meine einzigen USB3 Kabel sind gefühlte 2 cm lang. :( Also muss ich schon mal meine QNAP an einen anderen Standort verfrachten, dass das Kabel auch angeschlossen werden kann.

    Nun sollte man dies in der Übersicht sehen:



    Lasst Euch nicht von der Bezeichnung „(Modus umschalten)“ verwirren, denn so heißt dieser Modus. Es muss hier nichts umgeschaltet werden. Ich würde mal sagen, dass hier die Übersetzung aus dem englischen „Switch Mode“ ein wenig unglücklich gewählt ist.



    3. Das Einrichten am PC/Notebook

    Ubuntu
    Nach dem Anstecken an das Ubuntu-Notebook wird hier automatisch eine Netzwerk-Verbindung eingerichtet.
    Um Zugriff auf die Daten zu erhalten gibt es 2 Möglichkeiten:

    1. Die von QNAP empfohlene über den Qfinder Pro:

    - Qfinder Pro öffnen
    - QNAP auswählen


    Ja wo ist sie denn? Bei einigen wird hier wohl schon keine QNAP angezeigt werden. Wie ich schon in anderen Artikeln berichtet habe macht hier die unter Ubuntu „standardmäßig?“ (oder sollte es zumindest sein) installierte Firewall dem Qfinder einen Strich durch die Rechnung. Auch wer die Firewall-Regeln zuvor schon mal angepasst hat, muss dies nochmals tun, denn hier handelt es sich um ein neues Netzwerk in einem anderen IP-Range. Also flux die Regeln angepasst:



    Wer sich die Arbeit nicht antun will, kann auch VORÜBERGEHEND die Firewall deaktivieren. Nicht vergessen diese wieder zu aktivieren.
    Jetzt sollte die QNAP erscheinen und kann ausgewählt werden. Bei ausgewählter QNAP auf „Netzlaufwerke“ klicken und schon ist man verbunden. Nun sollte sich ein Dateiverwaltungsfenster mit den Freigaben öffnen. Je nach Authentifizierungseinstellungen kommt nun ein Fenster zum Anmelden:

    > Benutzername und Passwort eingeben


    > Freigabe auswählen

    Das war es. Je nach Dateiverwaltung-Programm ist das Netzlaufwerk nun eingebunden.

    17 Verbinden2.png


    2. Die schnelle Methode:

    Je nach Dateiverwaltungs-Programm unter:
    > Datei > Mit Server verbinden
    > Serveradresse wie folgt eingeben



    > Benutzername und Passwort eingeben


    > Freigabe auswählen

    Das war es. Je nach Dateiverwaltung ist das Netzlaufwerk nun eingebunden.

    17 Verbinden2.png


    MacOS
    Hier hat bei mir das automatisch Aufbauen einer Netzwerkverbindung nicht funktioniert. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass mein MacBook und das darauf installierte Yosemite doch schon in die Jahre gekommen ist. Aber mit ein paar Handgriffen lässt sich das Problem schnell beheben. Unter:


    > Systemeinstellungen > Netzwerk > QNAP QA Port

    Aus irgendwelchen Gründen wurde bei mir die IP-Adresse und die Teilnetzmaske nicht richtig übernommen. Also einfach manuell anpassen und schon funktioniert die Sache.


    Für die Betriebssystem Linux, MacOS und Windows gibt es für QuickAccess Treiber zum Installieren. Möglicherweise würde dieser dieses Problem beheben. Ich habe diese Treiber jedoch nicht ausprobiert.

    Wie unter Ubuntu gibt es auch hier 2 Möglichkeiten auf die Daten zu zugreifen:

    1. Die von QNAP empfohlene über den Qfinder Pro:

    Dies funktioniert analog zu Ubuntu. Ob hier Qfinder auch Probleme mit der Firewall hat habe ich nicht getestet.

    2. Die schnelle Methode:

    Im Finder
    > Gehe zu > Mit Server verbinden
    > Serveradresse wie folgt eingeben


    > Benutzername und Passwort eingeben


    > Freigabe auswählen


    Das war es. Die Freigabe ist nun als Netzlaufwerk eingebunden und ist unter anderem auch auf dem Schreibtisch verfügbar.



    Unter Windows
    Unter Windows habe ich den Ablauf nicht zusätzlich getestet, gehe aber davon aus, dass dies so oder so ähnlich funktioniert.



    4. Den Durchsatz von QuickAccess testen

    Es funktioniert zwar alles, aber nun will ich es genau wissen. Bring die Verwendung eines USB3-Anschlusses (5Gbit/s) im Gegensatz zum Netzwerkanschluss (1Gbit/s) einen Geschwindigkeitsvorteil?

    Zum Testen kopiere ich jeweils eine 2.4 GB große Filmdatei vom jeweiligen Notebook von und zu der QNAP, jeweils mit USB QuickAccess und Netzwerkanschluss direkt an der QNAP. Die Durchsatzwert entnehme ich auf der QNAP unter:

    > Systemsteuerung > Systemeinstellungen > Verwaltung > Ressourcenmonitor > Uebertragungs-Bandbreite


    Ubuntu USB QuickAccess

    Ubuntu Netzwerk


    Mac USB QuickAccess


    Mac Netzwerk

    Wie man den Grafiken entnehmen kann ist unter Ubuntu kein Unterschied zwischen QuickAccess und Netzwerk festzustellen. Mit ca. 45 MB/s Lese- und Schreibrate ist dies bei beiden Arten jedoch nicht gerade schnell. Ich denke jedoch, dass dies am etwas zu leistungsschwachen Prozessor im Single-Thread-Modus liegt.
    Beim MacBook erhalte einen deutlich höheren Wert unter Netzwerk als QuickAccess, dies liegt jedoch daran, dass das MacBook kein USB3-Anschluss besitzt. So sieht man, dass die schlechten Übertragungswerte des Ubuntu-Notebooks nicht an der QNAP liegen können.
    Hier sieht man sehr schön, dass die verschiedensten Faktoren Einfluss auf die Durchsatzrate haben können und dass die Probleme eines schlechten Wertes nicht immer ganz klar sind.



    5. Mein Fazit

    USB QuickAccess bietet eine schnelle Möglichkeit sich an der Front des NAS Zugang zu den Daten zu verschaffen ohne sich direkt ins eigentliche Netzwerk verbinden zu müssen.
    Die Konfiguration ist denkbar einfach, bietet aber auch wenig Optionen. Erfreulich dabei, obwohl für alle Betriebssysteme ein Treiber von der QNAP-Homepage zum Download bereitsteht, war die Installation auch ohne diese problemlos möglich – abgesehen von ein paar Holpersteinen.
    Da sich das NAS über die üblichen Netzwerkprotokolle verbindet hat dies auch die selbigen Vor- und Nachteile, und wie es aussieht auch mehr oder weniger die selbe Geschwindigkeit. Hier wird der USB-Anschluss als Netzwerkanschluss genutzt. Ein Vorteil für diejenigen, die die vorhanden Netzwerkanschlüsse für andere Zwecke benötigen und so einen einzelnen Computer trotzdem noch anhängen können.

    Da ich auf Grund meiner nicht mehr ganz so taufrischen Hardware das Potenzial von QuickAccess nicht ausschöpfen konnte, würde es mich interessieren auf welche Werte ihr mit Eurer QNAP kommt.

    In diesem Sinne, frohes Testen.

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